Gedanken zur Nutzung stillgelegter Deponien Klaus Stief DeponieOnline


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Sana06.06.2018
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Gedanken zur Nutzung stillgelegter Deponien

  • Klaus Stief

  • DeponieOnline

  • www.deponie-stief.de

  • info@deponie-stief.de


Was sind Deponien?

  • Wozu braucht man Deponien?

  • Deponieverhalten

  • Was macht man mit verfüllten Deponien?

  • Wie nutzt man das Gelände verfüllter Deponien?



Wozu braucht man Deponien?

  • Deponien dienen der unbefristeten Aufbewahrung von schadstoffhaltigen Abfällen- das nennt man Ablagerung

  • Umweltverträglichkeit ist Voraussetzung für die Genehmigung von Deponien

    • Dafür gibt es UVP. Die Umweltverträglichkeit ist nachzuweisen - In der Betriebsphase und danach
  • In der Betriebsphase werden Deponien gefüllt

  • Nach Verfüllung werden Abfälle aufbewahrt



Die Deponie ein Bauwerk?

  • Schadstoffhaltige Abfälle werden isoliert

    • Multibarrierenkonzept
  • Im Deponiekörper laufen biologische, biochemische und chemische Prozesse ab

  • Deponiegasemissionen 30 - 40 Jahre

  • Sickerwasseremissionen 200 und mehr Jahre

  • Prognose für Langzeitwirksamkeit >> 100 Jahre?



Was macht man mit verfüllten Deponien?

  • Die Deponie wird zur „ewigen“ Aufbewahrung der abgelagerten Abfälle genutzt

  • Nach Verfüllung Oberflächenabdichtung

  • Ablagerungsflächen sind 10, 20 50, 100 ha groß

    • Das gesamte Deponiegelände ist noch größer
  • Wie kann man Deponieoberfläche nutzen?

  • Biologische Stabilisierung des Deponiekörpers nach Stillegung, parallel zur Nutzung?



Wie nutzt man das Gelände verfüllter Deponien?

  • Statistiken, umfassende Übersichten, Datenbanken fehlen

  • „Eingliederung“ in die Landschaft (überwiegend)

    • Nachsorge wird vermutlich vernachlässigt – öffentliche Hand zahlt
  • Freizeit- und Erholungsparks (häufig)

    • Nachsorge hauptsächlich, wenn erzwungen
  • Kommerzielle Nutzung (selten)

    • Nachsorge wird im Nutzungsvertrag vereinbart


Möglichkeiten für die Nachnutzung

  • Freizeit- und Erholungsparks

  • Indoor Schigelände

  • Aussichtsrestaurants

  • Gelände für Anlagen zur alternativen Energienutzung: Windkrafträder, Photovoltaic

  • Lagerplätze von Firmen

  • Abfallbehandlungsanlagen



Nutzungsbeispiele für Altdeponien

  • Neumühle, Amberg, Bayern

  • Deponie Am Lindenbach, LK Garmisch-Part.

  • Deponie Leichendorf, Zirndorf, LK Fürth, Bayern

  • Deponie Cracauer Anger, Magdeburg, Sachsen-A.

  • Deponie Neuss, NRW

  • Schlackenhalde Bottrop, NRW



NEUMUEHLE, Amberg, Bayern

  • Abgelagerte Abfälle: Bauschutt, Siedlungsabfälle, Industrieabfälle. Verbrennungsrückstände, Galvankschlämme

  • Stillegung: ca. 1965,

  • Standort: Nahe einem Wohngebiet

  • Probleme: Explosionsgefahr infolge Deponiegas, Grundwasserverunreinigung

  • Lösung: Aerobe Stabilisierung. Beginn: 2001,

  • Nachnutzung: Gewerbegebiet, Reitklub



Deponie AM LINDENBACH, LK Garmisch-Partenkirchen, Bayern,

  • Abgelagerte Abfälle: Siedlungsabfälle, Bauschutt

  • Stillegung: 1983,

  • Standort: Nahe einem Naturschutzgebiet

  • Probleme: Negative Auswirkungen auf das Naturschutzgebiet: Wasserverschmutzung, hohe Sickerwasserbehandlungskosten

  • Lösung: Rückbau und Ablagerung auf einer Deponie, die Abfälle gebrauchen konnte



Deponie LEICHENDORF, Zirndorf, LK Fürth, Bayern

  • Abgelagerte Abfälle: Siedlungsabfälle, Bauschutt und in den letzten Jahren hauptsächlich Verbrennungsrückstände

  • Standort: Mit Abfall verfüllte Tongrube nahe zu einem Gewerbegebiet – nahe dem Firmengelände PLAYMOBIL

  • Probleme: geringe Deponiegasemissionen. Sickerwasseremissionen

  • Lösung: Oberflächenabdichtung aus Ton, Deponiegasfassung

  • Nachnutzung: PLAYMOBIL Fun Park, Baubeginn: June 1998; PLAYMOBIL Fun Park öffnete im Mai 2000.

  • http://www.playmobil.com/



Deponie CRACAUER ANGER Magdeburg, Sachsen-Anhalt,

  • Abgelagerte Abfälle: Siedlungsabfälle, Bauschutt, 90 Mio m³, Höhe: 40 m,

  • Stillegung: 1997,

  • Standort: Am Rande von Magdeburg, nahe der ELBE,

  • Probleme: Deponiegas, Grundwasserverunreinigung,

  • Lösung: Deponieoberflächenabdichtung, Deponiegasfassung und Deponiegasnutzung

  • Nachnutzung: Teil der Bundesgartenschau 1999. Danach: Teil des ELBE Parks

  • http://www.elbauenpark-md.de/de/park/welcome.html



Deponie Neuss, NRW Schlackenhalde Bottrop, NRW

  • Nachnutzung Deponie Neuss Indoor Alpinschi Wintersportcenter http://www.allrounder.de

  • Nachnutzung Schlackenhalde Bottrop Indoor Alpinschi Wintersportcenter http//www.alpincenter.com



www.alpincenter.com Bottrop



Altlasten

  • Was sind Altlasten?

  • Was versteht man unter Sanierung?

  • Nutzung sanierter Altlasten durch Flächenrecycling

  • Wann Flächenrecycling?

  • Ist Flächenrecycling wirtschaftlich?

  • Wirtschaftliches Flächenrecycling ist fraglich

  • Wirtschaftlichkeitsberechnungen sind schwierig



Was sind Altlasten?

  • Altlasten sind Altablagerungen und Altstandorte, sofern von ihnen Gefährdungen für die Umwelt, insbesondere für die menschliche Gesundheit ausgehen oder zu erwarten sind. (SRU, 1989, 1995)

    • „Umwelt“ ist hier in seinem umfassenden Sinne zu verstehen, das heißt, es werden neben dem Leben und der Gesundheit des Menschen die natürliche Umwelt sowie das Wohl der Allgemeinheit und die öffentliche Sicherheit und Ordnung als Schutzgüter miterfaßt.


Was versteht man unter Sanierung?

  • Unter Sanierung von Altlasten wird die Durchführung von administrativen und technischen Maßnahmen verstanden, die sicherstellen, daß von der Altlast nach der Sanierung keine Gefahren für Leben und Gesundheit des Menschen sowie keine Gefährdung für die natürliche Umwelt im Zusammenhang mit der vorhandenen und geplanten Nutzung ausgehen. (SRU, 1995)



Nutzung sanierter Altstandorte durch Flächenrecycling?

  • Flächenrecycling wird wegen der weitgefächerten Effekte in ökologischer, ökonomischer und sozialer Hinsicht schlechthin auch als zentraler Baustein auf dem Weg zu einer nachhaltigen Entwicklung bezeichnet (Grimski, altlasten spektrum 5/2001)

  • Die Vorteile der Revitalisierung von Industriebrachen liegen auf der Hand. Durch Altlastensanierung im Rahmen des Flächenrecyclings werden Umweltgefahren beseitigt (Grimski, 5/2001)



Wann Flächenrecycling?

  • Die Wiedereingliederung der Flächen in den Wirtschaftskreislauf sowie deren Nutzung führt gleichzeitig zur wirtschaftlichen und sozialen Belebung von Städten und Stadtquartieren. Sie trägt zur Verdichtung der Nutzung im Innenbereich von Siedlungen bei und schützt Freiräume (Grüne Wiese) vor der Inanspruchnahme für Siedlungs- und Verkehrszwecke. (Grimski, 5/2001)



Ist Flächenrecycling wirtschaftlich?

  • Potentiell hohe Kosten, die im Rahmen des Flächenrecyclings anfallen für Grundstücksaufbereitung, insbesondere für die Altlastensanierung und die Beseitigung sonstiger Hinterlassenschaften der Industriegeschichte, lassen darauf schließen, daß die Wirtschaftlichkeit von Flächenrecycling ohne öffentliche Förderung kaum zu erreichen ist.

  • Fortsetzung



Wirtschaftliches Flächenrecycling ist fraglich?

  • Mit Ausnahme weniger sog. Filetgrundstücke in besonders attraktiven Lagen („Selbstläufer“) ist in ganz Europa die finanzielle Unterstützung der öffentlichen Hand gefordert, um private Investitionen auf Brachen zu stimulieren.

  • Die Wirtschaftlichkeit der Projekte wird aufgrund komplexer planerischer und technischer Problemzusammenhänge, Eigentümer- und Investoreninteressen sowie zum Teil langer Laufzeiten zusätzlich belastet. (Grimski, 5/2001)



Wirtschaftlichkeitsberechnungen zum Flächenrecycling schwierig

  • Methoden zur Gesamtwirtschaftlichkeits-betrachtung eines Projektes fehlen

  • Die Absicherung von finanziellen Risiken (Versicherungen) durch am Markt vorhandene Produkte der Versicherungswirtschaft ist unzureichend

  • Die Systematisierung von Kostenstrukturen fehlt

  • Instrumente für das Management von komplexen Projekten fehlen



Beispiele für die Nutzung von sanierten Altstandorten

  • Altstandort Oberhausen

  • Chemische Fabrik Neuschloss (pdf) Chemische Fabrik Neuschloss (Folie)

  • Pionierpark Mühlheim (pdf) Pionierpark Mühlheim (Folie)

  • Metallhütte Fahlbusch Rastatt

  • Tanklager Rostock (pdf)



Altstandort Oberhausen



Chemische Fabrik Neuschloß



Pionierpark Mühlheim



Sanierung Metallhütte Fahlbusch, Rastatt Schnitt eingekapselter Schadensbereich



DMT-GEO safe – kosteneffektive Oberflächenabdichtung



Nutzungsbeispiele aus dem Internet

  • DonauCity Geschichte

  • Die Vision LandesGartenschau Eberswalde 1999

  • Nachnutzung MD Köglerweg, Steiermark

  • Rekultivierung von Kiesgruben HMD Neuenburg

  • BOKU Forschungsdokumentation Deponie Ameis

  • Langzeituntersuchungen Altablagerung „Waldhof“ (pdf-Datei)

  • Deponie Huckarde, Dortmund



Erfahrungsaustausch zwischen Deponietechnik und Altlastensanierung fehlt

  • Zum Thema Deponieverhalten im weiteren Sinne gibt es eine Fülle von Erfahrungen aus Forschung und Praxis

  • Zu den Themen Altlastenuntersuchung und -bewertung, Sickerwasserprognosen, Sanierungsverfahren gibt es ine Fülle von Veröffentlichungen, gesetzliche Regelungen und immer mehr Forschungsvorhaben

  • Die Kommunikation zwischen der Altlastenexperten und Deponieexperten ist mangelhaft – man ignoriert die jeweiligen Erfahrungen und Kenntnisse weitgehend



Nachsorge Welche Maßnahmen? Wie lange?

  • Nachsorge ungeliebt, weil Geld erforderlich

  • Messungen erforderlich für

  • Wartung, Reparatur und Erneuerung von

    • Deponieentgasungs- und -verwertungsanlagen
    • Sickerwassersammelsystem an der Basis
    • Oberflächenabdichtung einschl. Rekultivierung
    • Biologische in situ-Stabilisierung


Verantwortlichkeit für die Nachsorge

  • Grundsätzlich ist Entsorgungsträgerin verantwortlich (Deponiebetreiberin, örE, Betrieb)

    • Die Verantwortliche muß zahlen, auch wenn keine Einnahmen mehr fließen
    • Finanzierung der Nachsorge aus Rücklagen, aber Rücklagen verschwinden


Wann endet die Nachsorgephase? Wann endet die Verantwortlichkeit?

  • Die Nachsorge kann enden, wenn selbst unkontrollierte Emissionen keine schädlichen Umweltbeeinträchtigungen mehr verursachen

  • Die (rechtliche) Nachsorgeverantwortlichkeit der „Deponiebetreiberinnen“ endet, wenn die zuständige Behörde das feststellt

    • Kriterien und Beispiele sind mir UNBEKANNT
    • Behörden und Deponiebetreiber kneifen
  • Können Bewertungsgremien a la SAD Münchehagen die Lösung sein?



Ewige Nachsorgeverantwortlichkeit?

  • Wie kann man juristische oder private Personen für mehr als 100 Jahre verantwortlich machen?

    • UNBEKANNT – m. E. ist das unmöglich
  • Hausmülldeponien sind das Ergebnis von Erwartungen und des Handelns der Vergangenheit

    • Für die Anwendung des Vorsorgeprinzips ist es zu spät – Kompromisse sind erforderlich
    • Am besten wäre: Abschiebung in den Geltungsbereich des BBodSchG und Behandlung als altlastverdächtige Fläche


Warum ist ökonomische Nutzung des Deponiegeländes vorteilhaft?

  • Deponienachsorge kann kostspielig sein

  • Rücklagen und Sicherheiten für die Nachsorge fehlen

  • Bevölkerung will nicht für frühere mangelhafte Ablagerung auf mangelhaften Deponien zahlen

  • Nach der Stillegung kein gesellschaftliches Interesse

  • Standortgemeinden haben auch kein Interesse

  • Aber: Irgendjemand muß zahlen, oder stillgelegte Deponien werden umweltgefährdend

  • Zahlen kann, wer das Gelände profitabel nutzt



Wer oder was behindert Nachnutzung?

  • Zuständige Fachleute in Behörden, die nach immer schärferen Nutzungskriterien suchen

  • Umweltgruppen und –verbände, die zur Durchsetzung umweltpolitischer Ziele das Gefährdungspotential von Deponien hochjubeln

  • Die höheren Kosten für Deponiebetreiberinnen, wenn die Nachnutzung mit unbegrenztem Zutritt für die Öffentlichkeit verbunden ist



Zum Gefährdungspotential von Deponien

  • Natürlich können von Hausmülldeponien Umweltbeeinträchtigungen ausgehen

    • Insbesondere wenn auch industrielle / gefährliche Abfälle abgelagert worden sind
  • Umweltgefährdungen sind unbedeutend, wenn:

    • Deponiebasisabdichtung vorhanden
    • Sickerwasser gesammelt und behandelt wird
    • Deponiegas gefaßt und kontrolliert entsorgt wird
    • Das Deponieverhalten gemessen und bewertet wird


Vorteile der ökonomischen Nutzung

  • Nachnutzung von Deponien sollten wirtschaftliche Vorteile bringen

    • Nachsorge könnte teilweise aus dem Gewinn finanziert werden
    • Die Pächterinnen oder Eigentümerinnen des Deponiegeländes werden ein Interesse an einer sorgfältigen Nachsorge haben
  • Das ist jedenfalls meine Meinung



Die Meinung anderer zur Nachsorge

  • Andere sehen meine Meinung zur Nachsorge als unrealistisch und undurchführbar an

  • Eine kommerzielle Nachsorge sei kritisch, weil

    • Landwirtschaftliche Nutzung fraglich
    • Je weiter die Deponie von Wohngebieten entfernt und versteckt ist, je geringer wird da kommerzielle Interesse sein
    • Eine kommerzielle Nachnutzung sollte erst erlaubt werden, wenn die Deponiegasproduktion zum Ende gekommen ist
    • In Deutschland sein auf Grund der gesetzlichen Regelungen die ordnungsgemäße Nachsorge auch ohne kommerzielle Nutzung gewährleistet


Schlußbemerkungen

  • Deponien bedürfen der Nachsorge, wenn sie nicht behandelte, biologisch abbaubare Abfälle enthalten

  • Deponienachsorge kostet Geld, aber das erforderliche Geld ist nicht verfügbar. Die Folge ist:

    • Nachsorgemaßnahmen werden nicht im erforderlichen Umfang durchgeführt werden, was man aber nicht zugeben wird. Es werden „Gut“achten bestellt oder Ausflüchte gemacht
    • Zumindest in den Behörden wird das Fachpersonal fehlen
  • Profitable kommerzielle Nutzung kann auch einen Teil der Nachsorgekosten erwirtschaften

  • Interessant wird die Nachsorge und Nachnutzung in anderen EG Mitgliedsstaaten und Beitrittskandidaten




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