Nationalatlas Bundesrepublik Deutschland Relief, Boden und Wasser


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Nationalatlas Bundesrepublik Deutschland – Relief, Boden und Wasser

1 Rebland

2 Saumgesellschaften (trocken, warm): Feldblume, Liguster, Hundsrose

und offene Halbtrockenfluren

3 Lösswand: senkrecht, oft nackt; Pionierpflanzen, „Vorhänge“ von Efeu

und Waldreben, Tierlöcher, Schollenabrisse

4 Steilabbruch, Lianen

5 Akkumulationsbereich, Lössschleppe, abgerutschte oder abgestürzte

Lössschollen (schattig, stickstoffreich) mit Holunder, Zaungiersch,

Brennessel usw.,

LK: Lösskindelanhäufung,

R: Wegrandbäume

6 Fahrweg mit Erosionsrinne

7 Lösskeller, Verbindungstunnel (meist aufgegeben)

1 Rebland

2 Saumgesellschaft

3 Lösswand

Steilbruch 4

3

5

R



LK

5 Lössschleppe

6 Fahrweg

Erosionsrinnen

3

2

1



7 Lösskeller

© Institut für Länderkunde, Leipzig 2002

Bötzingen

Querschnitt durch einen Lösshohlweg

1

0

2 m



Autor: R.Mäckel

Dreisam

Rhein

W

e



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t

l



i

c

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r

H o h e r



K a i s e r s t u h l

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H ö h e n   m i t

J e c h t i n g e r

S a s b a c h -

L i m b e r g



Katharinenberg

           492

442

      557

Totenkopf

447

187

272

183

Badberg

     433

     Eichelspitze

            520

Ihringen


Bötzingen

Eichstetten

Bahlingen

Riegel


Endingen

Sasbach


Königs-

schaff-


hausen

Jechtingen

Burkheim

Breisach


Achkarren

Bickensohl

Oberrottweil

Bischoffingen

Amoltern

Kiechlings-

bergen

Leiselheim



Wasenweiler

Kaiserstuhl

Geologie und naturräumliche Einheiten

Autoren:  R.Mäckel, J.Seidel

© Institut für Länderkunde, Leipzig 2002

Maßstab  1: 145000

1

3



0

2

4 km



kontaktmetamorphes

Oligozän


Oligozän und Jura

Essexite


subvulkanische

Brekzien


Laven und Tuffe

(Tephrite)

Limburgit

Phonolithe

Karbonatit

Siedlungsfläche

quartäre Sedimente

Löss und Lösslehm

Name und Grenze einer

naturräumlichen Einheit

Hoher

Kaiserstuhl



Grenze der naturräumlichen

Haupteinheit Kaiserstuhl



Der Kaiserstuhl – ein Vulkan im Oberrheingraben

Rüdiger Mäckel und Jochen Seidel

Der Löss besteht überwiegend aus

Quarzkörnern der 

Ģ Schluffgröße

. Cha-

rakteristisch ist auch der sehr hohe Kar-



bonatgehalt (30-35%). Beide Eigen-

schaften verursachen eine große Stand-

festigkeit des Lockermaterials. 

Ģ Aqua-


tisch

umgelagerter Löss wird als

Schwemmlöss bezeichnet und ist im

Unterschied zum Primärlöss kalkarm

oder entkalkt, geschichtet und instabil.

Typische Oberflächenformen der Löss-

landschaft wie die Lösssohlentäler,

Hohlwege und Terrassen sind durch di-

rekte und indirekte Einwirkung des

wirtschaftenden Menschen entstanden.

Die Lösssohlentäler zeichnen sich durch

eine ebene bis flachgeneigte Talsohle

aus. Sie sind seitlich von steilen, scharf

von der Sohle abgesetzten Terrassenbö-

schungen begrenzt und beginnen häufig

mit einer kreisförmigen Eintiefung.

Meist sind sie mit mehrere Meter

Der Kaiserstuhl bildet mit seinen

höchsten Erhebungen Totenkopf (557

m), Eichelspitze (520 m) und Kathari-

nenberg (492 m) ein kleines Gebirge

von inselhafter Gestalt, das deutlich ab-

gegrenzt aus der 180-190 m hoch gele-

genen Oberrheinebene aufragt (

Ī Foto

).

Nach der naturräumlichen Gliederung



wird das Gebiet in den Östlichen (oder

Platten-) Kaiserstuhl, den Zentralen

(oder Hohen) Kaiserstuhl und den

Westlichen (oder Kuppigen) Kaiserstuhl

unterteilt. Dazu gehören auch die Sas-

bach-Jechtinger Höhen mit dem Lim-

berg nordwestlich vom Hauptmassiv des

Kaiserstuhls

. Die höchst gelegenen



Berge ordnen sich im hohen Kaiserstuhl

hufeisenförmig um einen zentralen Kes-

sel, aus dem die waldfreien, mit Tro-

ckenrasen bestandenen Kuppen des

Badbergs (433 m) aufragen.

Geologischer Aufbau, Vulkanis-

mus und Tektonik

Der Kaiserstuhl ist im Tertiär mit dem

Einbruch des Oberrheingrabens ent-

standen


. Die Förderung von Magma

an die Erdoberfläche wurde durch die

Zerrungen in der Erdkruste, die Kreu-

zung zweier Schwächezonen (Ober-

rheingraben, Bonndorfer Graben) und

die im südlichen Oberrheingraben rela-

tiv geringe Mächtigkeit der Erdkruste

(ca. 25 km) begünstigt. Die 

Ģ magmati-

schen

Schmelzen haben sich über dem



sedimentären Sockel abgelagert, der

heute noch im Osten des Kaiserstuhls

ansteht. Als Vulkanform wird ein

Ī Stratovulkan

angenommen, der ab-

wechselnd

Ģ Tuffe 

und


Ģ Laven

aus


mehreren Schloten förderte (

ĪĪ Beitrag

Schmincke, S. 60

).

Der Kaiserstuhl ist aus unterschiedli-



chen geologischen Haupteinheiten auf-

gebaut


: dem sedimentären Sockel

(

Ģ Oligozän



, Mittlerer 

Ģ Jura


), der geo-

logisch-tektonisch der Grabenrand-

scholle des Oberrheingrabens zuzuord-

nen ist, dem „eigentlichen“ Kaiserstuhl-

vulkan (Tuffe, 

Ī Tephrite

) und dem sub-

vulkanischen Zentrum (

Ī Essexit

,

Ī Karbonatit



). Der größte Teil des ehe-

maligen Vulkans ist abgetragen worden,

so dass im Zentrum des heutigen Kaiser-

stuhls die subvulkanischen Gesteine an-

stehen, die bei ihrer Entstehung nicht

an die Erdoberfläche gelangt sind, son-

dern im Schlot als 

Ģ Intrusivgesteine

steckengeblieben sind.

Geologische Besonderheiten stellen

die Limburgite des Limbergs und der

Karbonatit vom Badberg und Schelinger

Berg dar, bei dem es sich um ein karbo-

nathaltiges Vulkangestein handelt

(W

IMMENAUER



 1989). Vereinzelt treten

Ī Phonolithstöcke

auf, die wirtschaft-

lich genutzt werden.



Lössbedeckung und Formen-

schatz

Die landschaftliche Eigenheit des Kai-

serstuhls wird vor allem durch etliche

Meter mächtige

Ģ Lössdecken

geprägt,


die etwa 85% des Naturraums überzie-

hen. Dieses 

Ģ äolische Ģ Lockergestein

wurde während der Kaltzeiten des

Ģ Pleistozäns

aus den vegetationsfreien

Schotterflächen des Oberrheintieflan-

des ausgeweht und von West- bzw. Süd-

westwinden vor allem auf der Leeseite

der grasbestandenen Erhebungen abge-

lagert. Die größten Lössmächtigkeiten

(bis zu 60 m) kommen daher auf der

nördlichen und östlichen Seite des Kai-

serstuhls vor.

Lösshohlweg bei Bickensohl (NSG Eichberg)

³

·



65

Der Kaiserstuhl – ein Vulkan im Oberrheingraben

mächtigen Ablagerungen verfüllt 

.

Schwemmlösslagen, Torfschichten, be-



grabene Bodenhorizonte und archäolo-

gische Funde vermitteln ein wechsel-

haftes Bild ihrer Entstehung (F

RIED


-

MANN


/M

ÄCKEL


 1998).

Essexit – mittel- bis grobkörnige graue

Tiefengesteine hauptsächlich bestehend

aus Plagioklas, Alkalifeldspat, Nephelin,

Pyroxen


Karbonatit – seltenes helles mittelkörni-

ges magmatisches Gestein, das zu mehr

als 50% aus Karbonatmineralen zusam-

mengesetzt ist; charakteristisch für kon-

tinentale Grabengebiete, z.B. den Ober-

rheingraben



Phonolith – Klingstein, feinkörniges vul-

kanisches Gestein, das hauptsächlich aus

Alkalifeldspat und Nephelin als Feldspat-

vertreter besteht



Stratovulkan – Schildvulkan, aus dün-

nen Schichten flüssiger Lava aufgebauter

Vulkan

Tephrite – poröse schlackige Vulkanite

mit verschiedenartigen Einsprenglingen

NW

SO

m ü.NN



260

Winzburg


Spürenloch

Eisenholz

300

1 2


3

4

5



B o h r p u n k t e

Primärlöss

Schwemmlöss

fossile Torflagen

Essexit

Zersatzzone (Essexit)



eingeschwemmter

Hangschutt (Essexit)

© Institut für Länderkunde, Leipzig 2002

Oberbergen, Kaiserstuhl

Aufbau des Lösssohlentales Spürenloch

Schema


0

50

100



150 m

Autor:  A.Friedmann

heute


Grundgebirge

Mesozoikum

Quartär

Tertiär


Pliozän

Unteres Miozän

Kaiserstuhlvulkanismus

Unteres Oligozän

Mesozoikum

Grundgebirge

Wasser

Tertiär


Mittleres-Oberes Eozän

Malm


Mesozoikum (ohne Malm)

Grundgebirge

Unteres Eozän

W

O



1000

0

-1000



-2000

1000


0

-1000


0

-1000


1000

0

-1000



-2000

0

-1000



1000

0

-1000



Tektonisch-morphologische Entwicklung am Rand des Oberrhein-

grabens


© Institut für Länderkunde, Leipzig 2002

nach S

CHREINER

 1996

0

5 km



1

2

3



4

Eine weitere auffallende Erscheinung

im lössbedeckten Kaiserstuhl sind die

Hohlwege, die durch fortschreitende

Eintiefung der Feldwege entstanden

sind (


Ī Foto

). Das Querprofil durch ei-

nen Lösshohlweg zeigt im oberen Ab-

schnitt senkrechte Wände, die zumeist

frei von Vegetation sind. Die Lösswände

werden durch Abschuppung und durch

gelegentliches Abbrechen von Lösspa-

keten lateral erweitert. In der Fußzone

wird das erodierte Material in Form von

Wülsten und Schleppen angehäuft 

³

.

Ein Netz von Hohlwegen durchzog den



Kaiserstuhl vor der Flurbereinigung und

Großterrassierung. Einige Hohlwege

sind noch erhalten und wurden wegen

ihrer landschaftsprägenden Form und

besonderen Fauna und Flora unter Na-

turschutz gestellt.

Als weitere Oberflächenform fallen

die Rebterrassen im Landschaftsbild

auf. Aufgegebene Terrassen unter Wald

weisen auf eine ehemals größere Ver-

breitung des Weinbaus hin. Die kleinen

Rebterrassen waren früher im Kaiser-

stuhl weit verbreitet. Die Großterrassen

entstanden im Zuge der Flurbereinigung

und Rebumlegung zwischen 1965 und

1983 (


Ī Foto

). Die Terrassenflächen

wurden nach innen geneigt, um Boden-

erosion zu verhindern. Wegen der un-

günstigen kleinklimatischen Verhältnis-

se (Bildung von Kaltluftseen) und ihrer

negativen Auswirkung auf die Weinpro-

duktion wurden die Flächen einiger Ter-

rassen später wieder nach außen ge-

neigt. Viel wichtiger ist jedoch der

Schutz der Anbauflächen durch Vegeta-

tion (Zwischenfrucht, Grasdecke) oder

Mulchen. Weitere Nachteile der Groß-

terrassierung waren 

Ģ subterrane

Abtra-


gung entlang von kleinen Hohlräumen

und Erosionsschäden an den Böschun-

gen, die aufwendige Schutzmaßnahmen

erforderten.

ͷ

Blick vom Tuniberg auf den Kaiserstuhl



Anlage von Groß-

terrassen 1977 in

Bötzingen

»




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