Ortsgeschichte von Sankt Nikola an der Donau Von Wolfgang Schachenhofer Aus der Geschichte von St. Nikola


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Ortsgeschichte von Sankt Nikola an der Donau 

Von Wolfgang Schachenhofer 

Aus der Geschichte von St. Nikola 

In  der  älteren  Steinzeit  lebten  die  Menschen  von  Jagd  und  Fischerei  und  führten  ein  unstetes 

Nomadenleben.  Funde  aus  dem  Donaustrudel

1

  die  verschiedenen  urgeschichtlichen  Perioden 



angehören,  rassen  die  Vermutung  zu,  daß  bereits  zu  dieser  Zeit  Menschen  in  der  Donaugegend 

gesiedelt haben. 

Um  das  Jahr  400  vor  Christus  ließ  sich  der  keltische  Stamm  der  Bojer,  der  seinen  Hauptsitz  in 

Böhmen  hatte,  nördlich  der  Donau  nieder.  Seit  Kaiser  Augustus  gingen  die  Römer  daran,  die 

Grenzen des Römischen Reiches bis an die Donau vorzuschieben. Während südlich der Donau ein 

dichtes Netz von römischen Städten, Lagern, Kastellen und Wachtposten entstand, blieb das  Land 

nördlich  der  Donau  frei.  Es  ist  erwiesen,  daß  die  Römer  den  Donaustrom,  der  auch  Reichsgrenze 

war, befuhren. Nach Auffassung des Autors der Pfarrchronik sollen sie daher auch Kastelle auf dem 

Hausstein

2

 auf der Insel Wörth und auf Säbnich



3

 erbaut haben. Kaufleute vermittelten den Handel 

zwischen Römern und Germanen. Münzenfunde weisen darauf hin. 

Mit  dem  Einzug  der  Bajuvaren  im  6.  Jahrhundert  war  die  Periode  der  unsteten  Wanderungen 

abgeschlossen. Nach der Absetzung des Bayernherzogs Tassilo des Großen und der Eingliederung 

Bayerns in das Karolingische Reich, begann Karl der Große 791 den Krieg gegen die Awaren. Laut 

örtlicher Überlieferung sollen mit Widerhaken versehene Pfeile, welche 1834 vom Hammerschmied 

Exenberger im Gerölle am Fuße des Schloßberges gefunden wurden, Relikte von diesen Heerzügen 

Karls des Großen sein. Das eroberte Gebiet der neuen Mark wurde in die Rodung und Besiedelung 

einbezogen.  Diese  karolingische  Mark,  in  der  durch  100  Jahre  eine  segensreiche 

Kolonisationstätigkeit  entfaltet  worden  war,  mußte  nach  dem  Magyareneinfall  im  Jahre  907 

preisgegeben  werden.  Die  Enns  bildete  wieder  die  Ostgrenze  des  Fränkischen  Reiches.  Den 

wiederholten  Magyareneinfällen  setzte  Otto  1.  in  der  Schlacht  am  Lechfeld  ein  Ende.  Die  zweite 

oder ottonische Mark an der Donau umfaßte das Gebiet zwischen Enns und Ybbs. 

 

Unter den Babenbergern wurde vielleicht in der Nähe vom Dimbach auf einem Felsen eine Kirche 



gebaut. Die Jahreszahl 1007 scheint noch heute an der Ostseite der Pfarrkirche auf.

4

 Selbst Georg 



Grüll nimmt in seinem Buch „Burgen des Mühlviertels“ an, daß heute der Platz der verschollenen 

Burg  Boienstein  von  der  Kirche  und  dem  Pfarrhof  von  St.  Nikola  eingenommen  wird.  Vielleicht 

bestand zu diesem Zeitpunkt eine Burgkapelle. 

Das  mächtigste  hochmittelalterliche  Adelsgeschlecht  nördlich  der  Donau  war  das  der  Herren  von 

Mach- land. Die Burg Werfenstein, das Wörtherschloß, die Burg Hausstein, der Turm Langenstein 

und die Burg Pahin,  bzw. Beuge oder  Bojenstein, standen in  ihrem  Besitz. Diese Burgen bildeten 

eine Sperranlage. Mit 

 

1.



 

Älteste Erwähnung des Strudels als „Paige“ 926, als dort Bischof Drakolf  von Freising auf 

einer  Reise  donauabwärts  bei  einem  Schiffsunglück  ertrank.  In:  Alois  Topitz:  Vom  Strum 

und  Wirbel.  (Unveröffentl.  Manus.  5  S.)  —  Zahlreiche  Felsen  ragten  aus  dem  Wasser,  die 

eine gefährliche Sogwirkung her vorriefen. 

2.

 

Der Hausstein war ein Felsen in der Donau, auf dem später eine Burg errichtet wurde. 

3.

 

Säbnich war eine Burg auf dem höchstgelegenen Berg nördlich von Sarmingstein. 

 

Ketten konnte die Donau abgesperrt und ein Befahren unmöglich gemacht werden. Die Schwägerin 

Ottos von Machland, Beatrix von Clam, Gemahlin des Edlen Walchuns von Machland, hat im Jahre 

1141


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 die St. Nikolauskirche als Spitalskirche bestimmt. Im selben Jahr ließ sie auch ein Spital für 



 2 

 

die im Strudel  Verunglückten erbauen. Diesem  Hospiz wurde erlaubt,  oberhalb  und unterhalb des 



Strudels  von  den  Schiffern  Spenden  einzuheben.  Aus  dem  Erlös  mußte  die  Straße  entlang  der 

Donau erhalten werden. Ferner mußten die von der Donau angeschwemmten Leichen, die meistens 

in  der  Donau-  bucht,  im  sogenannten  Donaufreithof,  oder  zwi  schen  dem  Strudel  und  der  St. 

Kilianskirche zu Säb nich angeschwemmt wurden, beerdigt werden. 

Da in den Urkunden das Spital als „hospitale de Pa hin“ aufscheint, ist somit Pahin der älteste Name 

der  Gegend.  Es  kommt  vom  mittelhochdeutschen  „Beie“  oder  „Boie“  und  bedeutet  so  viel  wie 

Warnungszeichen, die ja in den gefährlichen Stellen der Donau aufgestellt waren. Auch ein Gut der 

Herren  von  Machland  hat  diesen  Namen  getragen.  Es  kommt  heute  noch  in  dem  in  Achleiten 

gelegenen  Painbergergute  und  im  sogenannten  Painwald,  der  unterhalb  des  Ortes  Sarmingstein 

liegt, vor. 

 

1147  hat  Otto  von  Machland  seine  Burg  Säbnich  den  Augustiner-Chorherren  zur  Gründung  eines 



Klo sters gestiftet. Da er der letzte aus dem Geschlecht der Herren von Machland war und seine Ehe 

mit  Gräfin  Jutta  von  Peilstein  kinderlos  blieb,  übergab  er  Bischof  Reginbert  von  Passau  den 

Großteil seiner Besitzungen. Im gleichen Jahr zogen die Mönche in das Kloster Säbnich ein. Propst 

Heinrich  (1147  —  1151)  erhielt  von  Otto  bedeutende  Liegen-schaften,  Güter  und  Zehente; 

außerdem  die  Pfarre  zum  Heiligen  Johannes  zu  der  damals  auch  St.  Nikola  gehörte.  Die 

umliegenden  Pfarren  wurden  von  der  Altpfarre  Saxen  selbständig,  denn  das  Stift  bekam  auch  das 

Patronatsrecht über die Pfarren Münzbach, Pabneukirchen, Königswiesen, St. Georgen am Walde, 

Dimbach,  Grein,  Saxen,  Kreuzen,  Mitterkirchen,  St.  Thomas  und  Neustadl;  ferner  den  zwischen 

dem  Sarmingbach  und  der  Ysper  gelegenen  Teil  des  Painwaldes.  Der  edle  Stifter  trat  als 

Ordenspriester in das Stift Baumgartenberg ein und wurde nach seinem Tode 1148 dort beigesetzt. 

 

4.

 

Dem  Autor  ist  bekannt,  daß  die  Jahreszahl  1007  an  der  Ostseite  der  Pfarrkirche  sehr 

umstritten ist. Aus diesem Jahrhundert sind solche Inschriften nicht bekannt. Selbst bei den 

Beschreibungen  der  Kirche  von  St.  Nikola  im  Dehio-Handbuch  der  Kunstdenkmäler 

Oberösterreichs,  3.  Aufl.,  Wien  1958,  Seite  283,  scheint  kein  Hinweis  auf.  Trotz  der 

schwierigen  Quellenlage  wird  die  Jahreszahl  angeführt.  Es  soll  keine  neue  Hypothese 

aufgestellt, sondern Anreiz zu neuer Forschungsarbeit gegeben werden. 

5.

 

Topitz  schreibt  in  den  O.Ö.  Heimatblättern  1972,  Jg.  26,  Heft  1/2,  Seite  11:  „Für  die 

Annahme,  daß  die  alte  Kirche  zum  hl.  Johannes  nicht  an  der  Stelle  der  heutigen 

Kiliankirche  in  Sarmingstein,  sondern  ganz  oben  auf  der  Hochfläche  stand,  gibt  es  einige 

Gründe.  Im  Jahre  1147  hatte  der  Augustiner  Orden  die  bewohnbare  Burg  zum  Geschenk 

erhalten.  Sie  liegt  knapp  unter  der  Hochfläche,  auf  deren  ersten  kleinen  Erhebung  eine 

Kirchenruine  ist.  Zu  vermuten  ist,  daß  diese  etwa  zwei  Meter  hohen  Quadermauern  der 

Anfang  zu  einem  Kirchenneubau  waren,  der  wegen  der  baldigen  verbürgten  Übersiedlung 

des  Ordens  nach  Waldhausen  sinnlos  geworden  war.  Man  könnte  meinen,  die 

Ordenspriester wollten ihre eigene Kirche, was  verständlich ist. Doch spricht  die Aussage 

des  Franz  Lehner,  Besitzer  des  „Burgner“-Hofes,  daß  er  auf  der  Wiese  vor  der  Kirche 

mehrmals auf alte Gräber gestoßen sei, für ein Begräbnis-recht dieser Kirche, das aber nur 

Pfarren  zugestanden  ist.  Bekanntlich  waren  die  Erstkirchen  des  Mühlviertels  immer 

Holzkirchen.  Erst  Bischof  Altmann,  gestorben  1091,  hat  auf  den  Bau  gemauerter  Kirchen 

gedrängt.“ 

Wegen  des  rauhen  Klimas  verließen  im  Jahre  1148  einige  Chorherren  die  Burg  Säbnich  und 

errichteten das  Kloster  Waldhausen. Die übrigen Mönche  folg ten erst  1161 nach. Seitdem  wurde 

die  Seelsorge  in  St.  Nikola  vom  Stifte  Waldhausen  versehen.  Nach  dem  Abzug  der  Mönche  fiel 

Säbnich an den Landesfürsten Heinrich Jasomirgott, der es in eine Burg umwandeln und von einem 

Burggrafen verwalten ließ. 



 3 

 

Die Pfarrchronik von St. Nikola vermerkt, daß  — als im Jahre 1246 in der Schlacht an der Leitha 



der letzte Babenberger Friedrich der Streitbare fiel — in der Gegend das Faustrecht, das Recht des 

Stärkeren herrschte. In Säbnich sollen die ausgeplünderten 

Kaufleute  in  ein  Verließ  geworfen  worden  sein,  wo  sie  verhungern  mußten.  Von  Werfel  nach 

Langenstein  war  die  Donau  durch  eine  Kette  abgesperrt.  Die  tahlfahrenden  Schiffe  wurden  so 

angehalten und gekapert. Konnte das geforderte Lösegeld nicht bezahlt werden, wurden sie ertränkt 

oder  in  den  Teufelsturm  geworfen.  Die  Sperrkette  wurde  später  in  der  Greinburg  aufbewahrt  und 

befindet  sich  nun  im  Landesmuseum  in  Linz.  Ebenso  grausam  soll  das  Raubrittergeschlecht 

Schnapphan  auf  der  Insel  Wörth  gehaust  haben.  Der  Sage  nach  soll  man  um  Mitternacht  das 

Wehgeheul  der  Gefolterten  gehört  haben.  Kein  Schiffer  sei  an  der  schwarzen  Mauer 

vorübergefahren, ohne sich andächtig bekreuzigt zu haben. Jene, welche hier verunglückten, fanden 

Schutz und Unterkunft im Hospitale unterhalb des Strudels. Tatsache ist, daß es sich um politisch 

sehr unruhige Zeiten handelte und die Geschichte in diesem Zeitraum viele Adelsfehden aufzeigt. 

1351  stiftete  Albrecht  II.  in  St.  Nikola  eine  tägliche  Messe.  Im  gleichen  Jahr  scheint  auch        St. 

Nikola als eine Expositurpfarre des Stiftes Waldhausen auf. 

Im Jahre 1361 hat Rudolf IV., Herzog von Österreich, dem Propst Albertus zu Waldhausen erlaubt, 

zu  Sarmingstein  einen  freien  Wochenmarkt  halten  zu  dürfen,  und  einen  freien  Jahrmarkt  am 

Sonntag  nach  St.  Kilian.  Da  besonders  an  Kirchenfesten,  wo  die  Leute  auch  aus  der  weiteren 

Umgebung  herzukamen,  Märkte  abgehalten  wurden,  dürfte  bereits  zu  diesem  Zeitpunkt  das 

Patroziniumsfest des St. Kilians-Kirchleins gefeiert worden sein. 

1391 war St. Nikola eine selbständige Pfarre. Ein Jahr später scheint in den Urkunden eine Maut in 

Struden auf. Für die stromaufwärts fahrenden Schiffszüge mußte beim Mautamte in Struden für die 

Waren, Zugpferde und für die Durchfuhr eine Gebühr bezahlt werden. Bei den großen Schiffszügen 

von Pest nach Regensburg waren 40 —50 Pferde an gespannt. Damals herrschte an der Donau ein 

sehr reges Leben. Bei hohem Wasserstand gingen die Schiffszüge am rechten Donauufer aufwärts 

durch den Hößgang. Bei niedrigem Wasserstand mußten die Fahrzeuge samt den Pferden unterhalb 

des Haussteines vom rechten Ufer nach St. Nikola gebracht werden. Von hier ging der Schiffszug 

bis  oberhalb  Struden,  dann  wieder  über  die  Donau  zur  Insel  Wörth  und  über  den  Hößgang  ans 

rechte  Donauufer.  Die  stromabwärts  gehenden  Schiffszüge  wurden  durch  eigene  Schiffsleute 

(Nauführer) durch den Strudel und Wirbel geleitet. 

 

6.



 

Die Spitalsstiftung durch Beatrix Edle von Ciam, scheint in den meisten Veröffentlichungen 

um 1185 auf. In der Pfarrchronik von St. Nikola steht aber wörtlich: „Die Schwägerin Ottos 

von  Machland,  die  Edle  Frau  Beatrix  von  Clam,  Gemahlin  Wachuns  von  Machland,  hat 

1141 die St. Nikolauskirche als Spitalskirche bestimmt und in deren Nähe im selben Jahr ein 

Spital für die im Strudel und Wirbel Verunglückten erbaut. 

7.

 

Der  Teufelsturm  stand  wahrscheinlich  auf  dem  Hausstein  oder  auf  der  Insel  Wörth.  Seine 

Bausteine wurden 1530 nach Ysperdorf verfrachtet, zur  Errichtung  einer Sperre gegen die 

Türken. 

Aus Aufzeichnungen der Pröpste von Waldhausen geht hervor, daß das Kloster in den Jahren 1428 

und  1432  von  den  Hussiten  zerstört  worden  ist.  Auch  St.  Nikola  bleibt  von  den  Greueln  dieser 

Kriege  nicht  verschont.  In  den  gleichen  Jahren  ist  die  Burg  Säbnich  zweimal  von  den  Hussiten 

zerstört worden. 

1465 eroberte Wilhelm von Puchheim die Burg Säbnich mit Sarmingstein. Raubritter wurden zum 

Schrecken friedlicher Bürger und durchziehender Kaufleute. 1476 fielen neuerlich die Hussiten ein. 

Sie  wurden  vom  österreichischen  Adel,  unter  der  Führung  von  Bernhard  von  Schärfenberg, 

bekämpft. Auch ein  ungarischer Edelmann dürfte bei  diesen Kämpfen mit-gewirkt haben, da l840 

unterhalb des Haussteines eine abgebrochene Ritterlanze gefunden wurde, die mit dem ungarischen 

Wappen  und  einer  Freiherrenkrone  verziert  war.  In  diesen  Kämpfen  dürfte  die  Burg  Werfel  mit 


 4 

 

Langenstein zerstört worden sein. Der Besitzer erbaute sich einen Edelsitz mit runden Ecktürmen. 



Dieser  Ansitz  war  später  Eigentum  der  Familie  Schwaiger  und  steht  heute  im  Besitz  der  Familie 

Danzer. Auf der Nordseite der Ruine Werfel wurde ein vergoldetes Kruzifix, das sich heute in der 

Votivkapelle

8

 befindet aufgestellt. Am 4.2. 1511 hat Kaiser Maximilian 1. auf Bitten des Propstes 



zu  Waldhausen  die  Orte  St.  Nikola  und  Sarmingstein  zu  Märkten  erhoben.  In  der 

Marktverleihungsurkunde scheint die Schreib-weise dieser bei den Orte als Serming“ und „Sanndt 

Nicla“  oder  Spital  auf.  In  den  Jahren  1520  —  1555  findet  man  in  den  Nachbargemeinden 

Protestanten.  Die  hiesigen  Annalen  zeichnen  nichts  darüber  auf.  Auch  über  die  Beteiligung  am 

Bauernkrieg  ist  nichts  bekannt.  1572  erhielten  die  beiden  Märkte  von  Kaiser  Maximilian  II.  die 

Marktwappen  verliehen.  Das  Wappen  von  St.  Nikola  zeigt  den  Heiligen  Nikolaus,  den 

Namensgeber  des  Marktes,  Schutzheiligen  der  Kirche  und  Schutzpatron  der  Schiffsleute.  Das 

Wappen von Sarmingstein versinnbildlicht die Burg Säbnich. 

Der  Markt  Struden  wurde  früher  Hofmark  oder  Frei-  gericht  genannt.  Diese  Worte  bedeuten 

Eigenbesitz bzw. es war eine Siedlung freier Leute auf königlichem Grund und Boden. 1591 wurde 

dieser Ort zum Markt erhoben und bekam ebenso ein Wappen. E erinnert an die Lage des Marktes 

am  Ufer  der  Donau  und  an  die  Burg  Werfenstein.  Im  Burghof  steht  die  ehemalige  Pranger-säule 

von Struden. Der frühere Besitzer von Werfenstein, Herr Liebenfels, hatte sie in einem Bauernhof 

entdeckt,  wo  sie  als  Deckenstütze  diente.  Die  Gesamthöhe  der  Säule  beträgt  3,20  m;  die 

Grundfläche des Sockels mißt  0,48 mal 0,48 m  bei  einer Sockelhöhe von 0,40 m; der  aufgesetzte 

Stein  steht  auf  einer  Grundfläche  von  0,40  mal  0,40  m  und  ist  1,90  m  hoch;  der  aufgesetzte 

Pyramidenstumpf  (Unterkanten  je  0,39  m,  Oberkanten  je  0,30  m)  ist  0,75  m  hoch;  den  Abschluß 

bildet eine Steinkugel mit einem Durchmesser von 0,15 m. 

Im  Jahre  1602  wurde  in  Sarmingstein  das  Keller-gewölbe  des  Turmzwingers  erweitert  und  ein 

Edelsitz  erbaut.  Dieser  ging  mit  Beginn  des  16.  Jahrhunderts  in  den  Besitz  der  Bürgerfamilie 

Schalberger  und  mußte  im  Zuge  des  Kraftwerk-baues 

Ybbs-Persenbeug  abgetragen  werden.  Edelsitze  dürften 

ferner  das  Haus  der  Familie    Menzl  und  das  Markthaus 

gewesen sein. 

 

8.

 

Die  Votivkapelle  steht  an  der  Bundesstraße  bei 

der Strudner Kreuzung; Erbauungsjahr 1866. 

Mit  dem  Jahre  1603  beginnt  die  Pfarrchronik  in  St. 

Nikola,  welche  von  Dechant  Theodor  Luger  und  dem 

Aushilfspriester Josef Süßenböck in den Jahren 1902 und 

1903  verfaßt  wurde.  Nun  folgte  der  Schrecken  des 

3ojährigen  Krieges.  Von  Böhmen  aus  rückte  eine 

feindliche  Abteilung  Richtung  St.  Nikola.  1645  wurde 

zum  Schutz  vor  den  anrückenden  Schweden  der 

Landsturm  aufgeboten,  und,  auf  Be  fehl  des  Erzherzogs 

Leopold 


Wilhelm, 

von 


Sarmingstein 

bis 


Ysper 

Verschanzungen errichtet. Dennoch soll im gleichen Jahr 

Säbnich  von  den  Schweden  zerstört  worden  sein.  Der 

Kinderreim „Bet, Kinder, bet, Morge kommt der Schwed, 

Morge  kommt  der  Oxestern,  der  wird  die  Kinder  bete 

lern!“ gibt Zeugnis dafür, wie tief sich diese entsetzlichen 

Jahre in die Volksseele eingegraben haben. 

1784 erfolgte die Aufhebung des Klosters Waldhausen. Im gleichen Jahr wurde auf Befehl Kaiser 

Josef II. auch die gotische Kirche in Struden geschlossen. Der Großteil der Kirchenschätze kam in 

die Pfarrkirche. Die Orgel  erhielt die Kirche zu Klam  und die Glocken kamen in  die Kirche nach 

Kreuzen. Das leerstehende Gotteshaus wurde zu einem Wohnhaus um gewidmet. 

 


 5 

 

Im Franzosenkriegsjahr im Jahre 1805 plünderte ein 



französisches  Korps  von  300.000  Mann  unter  dem 

Kommando  des  Marschalls  Mortier  die  Pfarre 

gänzlich 

aus. 


Nachzügler 

drangen 


beim 

Niedersattler  ein  und  verlangten  Geld  und  Wein. 

Genannter  Bauer  gab  ihnen  200  fi.  Während  die 

Franzosen  noch  beim  Tisch  saßen,  kamen  mehrere 

beraubte  Bauern  auf  sein  Gehöft  zu.  Durch  deren 

Anwesenheit  ermutigt,  forderte  er  nun  sein  Geld 

zurück. Die Franzosen griffen zu den Gewehren und 

erschossen  Johann  Brandstätter  vom  Moosböckgut, 

Franz  Zeitlhofer  vom  Dullingergut  und  Johann 

Prinz  vom  Ortnergut.  Franz  Fasching  vom  Haider 

am  Sattl  wurde  schwer  verwundet.  Hierauf  kam  es 

zu  einem  erbitterten  Kampf,  bei  dem  auch  elf 

Franzosen den Tod fanden. 1809 war ein neuerliches Franzosenkriegsjahr.  

 

Am 3. Mai schwemmte die Donau viele Leichname von der Schlacht bei Ebelsberg an. Unter dem 



Franzosenmarterl  in  Baumgarten  bei  Struden  sollen  sieben  Franzosen  begraben  liegen.  Angeblich 

auch beim Franzosenkreuz in Hirschenau, und einer auf der Wiese oberm Wagner in Moosbach. 

Bereits im Jahre 1777 gab Kaiserin Maria Theresia den Auftrag, die Schiffahrtshindernisse so weit 

als möglich zu beseitigen. Die Sprengarbeiten erstreck ten sich über mehrere Jahrzehnte. Während 

der  Kriegswirren  der  napoleonischen  Zeit  ruhten  alle  Arbeiten  an  Strudel  und  Wirbel;  nur  die 

Sicherheitsvorkehrungen  wurden  so  streng  als  möglich  gehandhabt.  So  wurde  vom  Mautamt 

Struden verfügt, daß auch das Passieren des Hößganges durch Fahnensignale avisiert werde. In der 

folgenden  Zeit  ergaben  sich  einschneidende  Veränderungen  im  Signal-  dienst,  hauptsächlich 

ausgelöst durch die beginnen de Dampfschiffahrt. Im Jahre 1837 fuhr als erstes Schiff die „Maria 

Anna“  der  neugegründeten  DDSG  durch  den  Strudel,  ein  hölzernes  Dampfschiff,  mit  Maschinen 

ausgerüstet, die kaum 60 PS leisteten. In 

dieser  Zeit,  und  noch  lange  nachher,  mußten  die  Dampfschiffe  durch  die  Kraft  von  Zugpferden 

unterstützt  werden,  um  überhaupt  die  Bergfahrt  durch  führen  zu  können.  Die  Signaleinrichtungen 

wurden  entsprechend  verbessert.

9

  Die  Schiffe,  die  stromauf  fuhren,  mußten  zwei  Böllerschüsse 



abgeben, die vom Mautamt nach Grein weitergegeben wurden. Erst wenn Grein zurückmeldete, daß 

die Warnungsfahne ausgesteckt sei, durften die Schiffe die Fahrt stromauf fortsetzen. 

Das  Strudentelefon  löste  im  Jahre  1906  die  veraltete  Signalanlage  ab.  Die  Durchfahrt  war  ja  nun 

weitest gehend entschärft, denn als im Jahre 1854 der Dampfer „Kaiser Franz Josef“, welcher die 

Kaiser- braut nach Wien bringen sollte, einen Unfall hatte, war dies der 

 

9.



 

Siehe:  Gottfried  Hoffmann:  Strudengau  —  eine  historische  Donaulandschaft  Österreichs. 

Wien: Bergland Verlag 1966, S. 36. 

gegebene  Anlaß  zum  Beginn  der  Regulierungs-arbeiten,  die  bis  1866  dauerten.  Die  große  Felsen-

insel,  der Hausstein  wurde  gesprengt.  Endgültige Abhilfe brachte jedoch  erst der Bau des  Donau-

kraftwerkes Ybbs-Persenbeug, das 1959 fertig-gestellt wurde. Bereits 1922 wurde das Projekt vom 

Schweizer  Ingenieur  Höhn  entworfen.  Mit  den  Arbeiten  begann  man  erst  1938,  die  zwei  Jahre 

später durch den Krieg eingestellt wurden. 1954 nahm man nach einem neuen Projekt die Arbeiten 

auf.  In  der  heutigen  Zeit  haben  elektronische  Anlagen  selbsttätig  die  Regelung  des  Schiff-

fahrtsverkehrs übernommen. Im Jahre 1914 begann der 1. Weltkrieg. Zwei Jahre später kam es zu 

einer  Lebensmittelknappheit.  Der  Preis  von  Kartoffeln  stieg  um  das  Fünffache.  Die 

Zigarettenabgabe  wurde  auf  5  Stück  begrenzt.  Da  durch  wurde  vielfach  der  Tabak  mit 

Brennesselblättern u. ä. „gestreckt“. Petroleum bekam man überhaupt nicht. Der 1. Weltkrieg, der 

 


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1918  endete,  forderte  in  der  Gemeinde  34  Todesopfer.  Er  brachte  den  Zusammenbruch  der 



Monarchie und die Ausrufung der Ersten Republik. 

1938  wird  Österreich  ein  Teil  des  Großdeutschen  Reiches  und  als  solcher  zur  „Ostmark“  mit  den 

Do  nau-  und  Alpengauen.  1939  begann  der  2.  Welt  krieg.  Im  November  1944  kamen  Flüchtlinge 

aus Ungarn, Kroatien und aus dem Rheinland. Die Schule wurde als Flüchtlings-lager eingerichtet. 

Am  20.  Jänner  1945  wurden  Fliegerbomben  beim  Burner  und  Brandstätter  in  Achleiten 

abgeworfen; am 20. 3. 1945 beim Klampfer in Moosbach. Beim Moosböckhof stürzte ein Flugzeug 

ab. 

Der Zweite Weltkrieg, der im Jahre 1945 endete, forderte in der Gemeinde 69 Todesopfer. 



 

 



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