Innen und außen mit Weißtanne aus dem gemeindeeigenen Wald bekleidet


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Architektur

mikado 2.2010

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Architektur



  Die neue Mitte der österreichischen Gemeinde St. Gerold setzt neue Maßstäbe 

für öffentliches Bauen: der erste viergeschossige Holzbau Vorarlbergs,  

innen und außen mit Weißtanne aus dem gemeindeeigenen Wald bekleidet.


Architektur

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ie  Natur  nutzen,  ohne  ihr 



zu schaden – so lautet die 

Philosophie  des  Biosphä-

renparks Großes Walsertal, der sich 

zum Ziel gesetzt hat, innerhalb von 

zehn Jahren energietechnisch autark 

zu werden. Es handelt sich um ein 

dünn besiedeltes, bäuerlich gepräg-

tes Bergtal im österreichischen Vor-

arlberg. Auf einer Fläche von knapp 

200 km


2

 leben hier rund 3500 Men-

schen in sechs Gemeinden.

Auf einer Höhe von 920 m liegt 

St. Gerold. Seine 360 Bewohner pfle-

gen eine konsequente Einstellung zu 

ökologischen Themen, was sich auch 

im neu erbauten Gemeindezentrum 

eindrucksvoll zeigt: Es ist das erste 

als Passivhaus zertifizierte öffentli-

che Gebäude in Vorarlberg – und na-

türlich: ein Holzbau.

Darauf  angesprochen,  gibt  sich 

der  Architekt  Andreas  Cukrowicz 

bescheiden: „Es ist doch Standard in 

Vorarlberg, möglichst energieeffizi-

ent zu bauen. Und der Bürgermeis-

ter Bruno Summer wollte das selbst-

verständlich  auch,  schließlich  liegt 

sein  Ort  im  Großen  Walsertal  und 

hier nimmt man es mit dem ökolo-

gischen  Anspruch  des  Biosphären-

parks sehr genau.“

Gemeindezentrum definiert die  

Ortsmitte neu

Mit dem markanten Gebäude beab-

sichtigte das Bregenzer Büro „Cuk-

rowicz Nachbaur Architekten“ dem 

Straßendorf,  das  keinen  Ortskern 

aufweist, so etwas wie eine Mitte zu 

geben und damit seine Identität zu 

stärken. An der Straße und an einer 

Geländekante gelegen, verbindet das 

viergeschossige Gebäude zwei Ebe-

nen:  einen  Vorplatz  mit  dem  Ein-

gang und einen zwei Geschosse tie-

fer gelegenen Spielplatz.

Auf dem Vorplatz, einer Erweite-

rung des Straßenraums, ist jetzt end-

lich Platz für Dorffeste. Und im stra-

ßenseitigen  Erdgeschoss  befinden 

sich  der  kleine  Dorfladen  und  ein 

Mehrzweckraum mit herrlicher Aus-

sicht über das Tal. Im Obergeschoss 

ist die Ortsverwaltung mit dem Bür-

germeister-Büro,  dem  Sitzungs- 

zimmer und dem Tourismusbüro un-

tergebracht. Im 1. Untergeschoss gibt 

es Räume für verschiedene Kinder- 

spielgruppen  und  im  2.  Unterge- 

schoss  für  den  Kindergarten.  Von 

dort ist der Spielplatz zugänglich, der 

sich deutlich unterhalb des Straßen- 

niveaus befindet.

„Wir haben das Gebäude so posi-

tioniert, dass es die Fläche, auf der 

der  Bus  wenden  konnte,  mit  dem 

zwei Geschosse unterhalb liegenden 

Spielplatz vertikal verbindet“, erläu-

tert Cukrowicz das Entwurfskonzept. 

„Die Lage der Nutzungsbereiche ent-

wickelt sich aus der Frequenz der Be-

nutzer sowie aus der topografischen 

Zuordnung  der  Außenräume.  Man 

erkennt  an  der  Gebäudehöhe  die 

Steilheit des Hanges.“

Architektur

Das  


 

viergeschossige 



Bauwerk 

verbindet die 

Dorfstraße  

mit dem tiefer 

liegenden 

Kinderspielplatz

Am Haupt- 

 



eingang 

verbreitert sich 

die Straße  

zu einem Dorf- 

platz, der  

sich auch  

für Feste eignet


Architektur

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Weder  zum  Passivhausstandard 



noch zum Baustoff Holz gab es Dis-

kussionen,  wohl  aber  zur  moder-

nen Architektur und vor allem zum 

Flachdach. „Dafür haben wir im Be-

reich des Bregenzer Waldes typolo-

gisch geforscht und festgestellt, dass 

in  den  letzten  100  Jahren  Sonder-

bauten, wie z.B. Gemeindeämter oder 

Pfarrhäuser, oft nicht mit Satteldä-

chern, sondern mit flach geneigten 

Zeltdächern ausgestattet waren. Und 

ein  derartiges  Dach  wird  in  seiner 

Erscheinung so wahrgenommen wie 

ein Flachdach“, begründete der Ar-

chitekt seine Entscheidung und setz-

te sich durch.



Intelligente Energietechnik 

minimiert Verbrauch

Die Energiezufuhr für das Gebäude lie-

fert eine Wärmepumpe mit Erdsonde. 

Cukrowicz weist darauf hin, dass eine 

eigens erstellte Untersuchung zeig-

te, dass dies gegenüber einer Hack- 

schnitzel-Anlage klare Vorteile bie-

tet: bei den Energie- und Nebenkos-

ten,  den  Investitionskosten  sowie 

den  Instandhaltungs-  und  Unter-

haltskosten.

Zusätzlich  ist  das  Gebäude  mit 

einer  kontrollierten  Be-  und  Ent-

lüftung  mit  Wärmerückgewinnung 

ausgestattet.  Der  Luftwechsel  ist 

mit  einer  Wechselrate  von  0,3  bis 

1,4 variabel regelbar – je nach Not-

wendigkeit,  d.h.  Art  der  Veranstal-

tung und Anzahl der Anwesenden. 

Die Luftqualität regelt in jedem Be-

reich  ein  eigener  CO

2

-Fühler.  Der 



Wirkungsgrad  der  Wärmerückge-

winnung beträgt 87 %. Die Technik 

für Heizen und Lüften ist in die Ar-

chitektur integriert. Sämtliche Roh-

re und Kabel sind PVC-frei.

Der  sommerliche  Wärmeschutz 

wurde  in  einer  eigenen  Simulati-

onsberechnung  geprüft  und  darge-

stellt. Das Ergebnis: Ohne Kühlung 

gibt es Raumtemperaturen von ma-

ximal 25,4 °C – in den Sommermo-

naten an durchschnittlich 13 Tagen, 

jedoch nur in den Bereichen Kinder-

garten  und  Kinderspielgruppe  und 

während  Zeitphasen,  wo  diese  gar 

nicht in Betrieb sind. Vor zu starker 

Sonneneinstrahlung  schützen  au-

ßen  liegende  Lamellen,  die  ein  Ta-

geslichtsensor steuert.

Durch  die  Einrichtung  des  Dorf-

ladens war die Installation diverser 

Kühlgeräte  notwendig.  Deren  Ab-

wärme  wird  in  das  Hauptenergie-

system  eingespeist.  Eine  Amortisa-

tionsberechnung  zeigte,  dass  sich 

diese Investition in rund dreieinhalb 

Jahren amortisiert. Das Vorarlberger 

Energieinstitut  begleitete  das  Bau-

projekt und bewertete es als „ener-

gietechnisch optimal“.



Holz dominiert das Gebäude 

innen und außen

Auffallend  ist  der  angenehme  Ge-

ruch  beim  Betreten  des  Gebäudes, 

der jedem Besucher sofort klarmacht, 

dass es hier um „Holz pur“ geht und 

keine  Oberflächenbehandlung  gab.  

Innen wie außen dominiert der helle  

Farbton der Weißtanne. Sowohl das 

Holz der Konstruktion als auch das 

der  Wandbekleidung  stammt  über-

wiegend  aus  den  gemeindeeigenen 

Wäldern.


Die Verwendung lokaler Baustoffe 

reduziert nicht nur die graue Energie, 

sondern fördert auch die lokale Wirt-

schaft und stärkt die regionale Iden-

tität.  Alle  verwendeten  Materialien 

wurden auf bedenkliche Schadstoffe 

geprüft. Es kamen ausschließlich ge-

sundheits-  und  umweltfreundliche  

Baustoffe  ohne  Schadstoffe  zum 

Einsatz – zur Dämmung Holzfaser- 

platten und Schafwolle.

Dank Vorfertigung stand der Roh-

bau in nur drei Tagen. Der Ausbau 

erforderte wegen der hohen Detail-

genauigkeit mehr Zeit. 

Das  Bauwerk  stellt  den  ersten  

viergeschossigen Holzbau in Vorarl-

berg  dar.  Im  Jahr  2009  gewann  es  

beim  Vorarlberger  Holzbaupreis  je-

weils den Hauptpreis in den beiden  

Kategorien  „Öffentlicher  Bau“  und 

„Passivhaus“.

 

Jörg Pfäffinger, Tengen-Blumenfeld 



Die lange 

 



Natursteinmauer  



der Dorfstraße 

schwingt  

elegant und bildet  

zur strengen  

Gebäudeform  

einen spannenden 

Kontrast

Auch im 


 

Gebäudeinneren 



dominiert  

das helle Holz  

der Weißtanne  

an Wänden, 

Böden, Decken 

und Treppen 

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www.mikado-online.de

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Level +1



  Steckbrief

Bauprojekt:

Neubau eines  

Gemeindezentrums

Bauherr:

Gemeinde St. Gerold 

A-6722 St. Gerold 

www.st-gerold.at

Architektur:

Cukrowicz Nachbaur 

 

Architekten ZT GmbH 



A-6900 Bregenz 

www.cn-architekten.com

Holzbau:

Zimmerei Berchtel GmbH 

A-6822 Schnifis 

www.zimmerei-berchtel.at

Holzbau Nigsch 

A-8723 Blons 

www.holzbau-nigsch.at

Zimmerei Heiseler GmbH 

A-6731 Sonntag 

www.heiseler.at

Bauzeit:

April 2008 bis Januar 2009

Kosten: 

1,4 Mio. Euro

Nutzfläche: 

571 m


2

Heizwärmebedarf:

10,7 kWh/(m

2

a) – erstes 



zertifiziertes öffentliches 

Passivhaus in Vorarlberg

U-Werte:

Außenwände: 0,117 W/(m

2

K)

Dach: 0,119 W/(m



2

K)

Fenster: 0,751 W/(m



2

K)

Level 0



Level –1

Level –2


Schnitt

Level +1


Level 0

Level –1


Level –2

WC

Gang



Sitzung

Gemeindeverwaltung

Lager

Gang


Dorfladen

Mehrzweckraum

Haupteingang

Gang


Archiv

Technik


Kinderspielgruppe

Gang


Kindergarten

WC

WC



Architektur

  

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Dachaufbau (von außen nach innen): 

5 mm 

Bitumen-Dachdichtungsbahn, 2-lagig, beschiefert 



27 mm 

Vollschalung 

500 mm 

Hinterlüftung, Aufbau mit Knaggen 



2 mm 

Notdach, vollflächig 

27 mm 

Vollschalung mit Gefälle 



180 bis 300 mm  Holzlattung, dazwischen Zellulosefaserdämmung im Gefälle 

300 


tragende Holzbalkendecke, dazwischen Zellulosefaserdämmung 

27 mm 


Vollschalung (Fichte/Tanne) 

 

Dampfbremse 



110 mm 

Installationsebene

30 mm 

Akustikdämmung, Schafwolle 



 

Rieselschutzvlies 

40 mm 

Holzlattung



Wandaufbau (von außen nach innen):

30 mm  


Sichtlattung, Weißtanne, sägerau 

30 mm  


Unterlagslattung, rautenförmig, schwarz 

30 mm  


Konterlattung für Hinterlüftung 

 

Windpapier 



25 mm  

Diagonalschalung 

125 mm  

Holzlattung, dazwischen Zellulosefaserdämmung 

25 mm  

Diagonalschalung 



200 mm  

Holzlattung, dazwischen Zellulosefaserdämmung 

25 mm  

Diagonalschalung 



 

Dampfbremse 

40 mm  

Holzlattung für Installationsebene 



20 mm  

Holzschalung, Weißtanne 



Detail Südfassade

Lageplan


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