Land, Kommunen Reinhard Güll


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Statistisches Monatsheft Baden-Württemberg 4/2018

Land, Kommunen

Reinhard Güll

Reinhard Güll war Büroleiter 

der Abteilung „Informations-

dienste, sozial- und regional- 

wissenschaftliche Analysen“ 

im Statistischen Landesamt 

Baden-Würt temberg.

In der Serie „Im Blickpunkt“ steht dieses Mal 

die Stadt Heidenheim im Landkreis Heiden-

heim. Aus dem Landesinformationssystem 

Baden-Württemberg (LIS) lassen sich für Hei-

denheim wie für jede andere Gemeinde des 

Landes interessante Erkenntnisse zur Struk-

tur und Entwicklung gewinnen. Besonders he-

rausgehoben werden an dieser Stelle die Be-

völkerungsentwicklung, die Wohn- und die 

Beschäftigtensituation.

Heidenheim an der Brenz liegt im Osten Baden-

Württembergs an der Grenze zu Bayern, etwa 

17 Kilometer (km) südlich von Aalen und 33 km 

nördlich von Ulm. Heidenheim liegt auf 478 bis 

645 Metern Höhe zwischen Albuch und Härts-

feld am nordöstlichen Ende der Schwäbischen 

Alb in einer Talweitung der Brenz bei der Ein-

mündung des Stubentals am Fuß des Hellen-

steins. Die Brenz betritt von Königsbronn kom-

mend, wo sie entspringt, im Nordwesten das 

Stadtgebiet, durchfließt es in Nord-Süd-Richtung 

und teilt dabei nacheinander die Siedlungs-

flächen der Stadtteile Aufhausen und Schnait-

heim, anschließend die der Kernstadt und schließ-

lich die des Stadtteils Mergelstetten, um es im 

Süden in Richtung Herbrechtingen wieder zu 

verlassen. Heidenheim ist die Kreisstadt und 

größte Stadt des Landkreises Heidenheim und 

nach Aalen und Schwäbisch Gmünd die dritt-

größte Stadt der Region Ostwürttemberg. Hei-

denheim bildet ein eigenes Mittelzentrum, zu 

dessen Mittelbereich alle Gemeinden des Land-

kreises Heidenheim gehören. Seit dem 1. April 

1956 ist Heidenheim Große Kreisstadt. Mit der 

Gemeinde Nattheim ist die Stadt Heidenheim 

eine Vereinbarte Verwaltungsgemeinschaft ein-

gegangen. Im Zuge der Gemeindegebietsreform 

Anfang der 1970er-Jahre wurden die bis dahin 

selbstständigen Gemeinden Großkuchen und 

Oggenhausen eingemeindet.

Heidenheim liegt an der Brenzbahn Aalen – Hei-

denheim – Ulm und gehört zu dem Heidenhei-

mer Tarifverbund. Im Stadtgebiet versorgen 

mehrere Buslinien der Heidenheimer Verkehrs-

gesellschaft HVG den öffentlichen Personen-

nahverkehr. Durch die nahegelegene Autobahn 

A 7 mit eigener Ausfahrt sowie die durch Hei-

denheim führenden Bundesstraßen B 19 und 

B 466 hat die Stadt eine gute Anbindung an das 

deutsche Fernstraßennetz. 

In Heidenheim lassen sich Spuren einer konti-

nuierlichen Besiedlung nach archäologischen 

Befunden auf die Spätbronzezeit um etwa 

1300 v. Chr. datieren. Die nachfolgende Urnen-

felderepoche um 1200 bis 750 v. Chr. ist durch 

umfangreiche Siedlungsreste in Heidenheim 

belegt. Zahlreiche Funde in der näheren Um-

gebung Heidenheims aus der Zeit vom 8. bis 

zum 5. vorchristlichen Jahrhundert belegen  

dann eine keltische Besiedelung. Um das Jahr 

100  n.  Chr. errichteten die Römer in Heidenheim 

ein Steinkastell. Die 5,2 Hektar (ha) große An-

lage war Teil des sogenannten Alblimes. Die 

Gründung der Stadt Heidenheim steht im Zu-

sammenhang mit der Erbauung von Burg Hel-

lenstein. Die mittelalterliche Stadt Heidenheim 

entstand als Burgsiedlung und war auch in das 



Im Blickpunkt: Die Stadt Heidenheim  

an der Brenz

B

re

nz

Dona

u

Alb-Donau-

Kreis

Göppingen

Heidenheim

Ostalbkreis

Gerstetten

Steinheim am Albuch

Herbrechtingen

Königsbronn

Heidenheim

an der Brenz

Nattheim


Dischingen

Giengen


an der Brenz

Hermaringen

Sontheim

an der Brenz

Nieder-

stotzingen



88-43-17-11M

© Kartengrundlage GfK GeoMarketing GmbH

Karte erstellt mit RegioGraph 2015

Statistisches Landesamt Baden-Württemberg

Landesinformationssystem

B a y e r n

Lage der Stadt Heidenheim



S

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Statistisches Monatsheft Baden-Württemberg 4/2018

Land, Kommunen

T

Ausgewählte Daten zur Stadt Heidenheim an der Brenz, zum Landkreis Heidenheim 

und zu Baden-Württemberg

Merkmal / Indikator

Einheit

Stadt 


Heidenheim 

an der Brenz

 Landkreis 

Heidenheim

Land

Fläche

1)

 

Fläche insgesamt am 31. Dezember 2016

ha

 10 709  



 62 714  

3 574 828  

Siedlungs- und Verkehrsfläche am 31. Dezember 2016

%

  17,8  



  12,7  

  14,5  

Waldfläche am 31. Dezember 2016

%

  59,7  

  42,9  

  37,8  

Landwirtschaftsfläche am 31. Dezember 2016

%

  20,4  

  42,5  

  45,3  

Bevölkerung

 

Bevölkerung am 31. Dezember 2016



Anzahl

 48 709  

 131 498   10 951 893  

Ausländeranteil am 31. Dezember 2016

%

  19,3  

  13,6  

  14,5  

Durchschnittsalter Ende 2016

Jahre

  43,7  


  44,3  

  43,3  


Geburtenüberschuss/-defizit je 1 000 Einwohner 2006 – 2016

Anzahl


–   2,7  

–   2,4  

–   0,6  

Bevölkerungsdichte am 31. Dezember 2016

Einwohner/km²

  455  


  210  

  307  


Weiterführende Schulen

 

Übergänge auf Werkreal-/Hauptschulen 2016/17



%

  14,1  

  8,0  

  5,9  

Übergänge auf Realschulen 2016/17

%

  35,9  

  40,7  

  33,7  

Übergänge auf Gymnasien 2016/17

%

  38,0  

  36,2  

  43,8  

Übergänge auf Gemeinschaftsschulen 2016/17

%

  8,4  

  10,9  

  13,4  

Beschäftigte am Arbeitsort

 

Sozialversicherungspflichtig Beschäftigte



2)

 je 1 000 Einwohner 2016

Anzahl

  519  


  378  

  408  


Beschäftigte im Produzierenden Gewerbe 2016

2)

%



  35,5  

  46,9  

  35,9  

Beschäftigte im Handel, Verkehr und Gastgewerbe 2016

2)

%

  15,9  



  17,8  

  20,2  

Beschäftigte im sonstigen Dienstleistungsbereich 2016

2)

%

  48,5  



  35,0  

  43,5  

Verkehr

 

Pkw je 1 000 Einwohner 2015



Anzahl

  567  


  637  

  577  


Pkw-Anteil am Kfz-Bestand 2015

%

  87,0  



  76,3  

  81,9  

Tourismus

Ankünfte von Gästen insgesamt je 1 000 Einwohner 2016

Anzahl

 1 166  


  889  

 1 929  


Ankünfte von Auslandsgästen je 1 000 Einwohner 2016

Anzahl


  265  

  179  


  453  

Übernachtungen von Gästen insgesamt je 1 000 Einwohner 2016

Anzahl

 2 445  


 1 744  

 4 784  


Übernachtungen von Auslandsgästen je 1 000 Einwohner 2016

Anzahl


  698  

  406  


 1 030  

Wohnen

 

Anteil Einfamilienhäuser an Wohngebäuden 2016



%

  63,4  

  69,1  

  61,1  

Wohnfläche je Einwohner 2016

  44  


  46  

  46  


Wasserwirtschaft

Trinkwasserverbrauch je Einwohner 2013

Liter/Tag

  109  


  116  

  116  


Tinkwasserpreis 2016

EUR/m³


  2,05  

  1,98  


  2,11  

Gemeindefinanzen 

 

Steuerkraftmesszahl je Einwohner 2016



EUR

  912  


  860  

  998  


Steuerkraftsumme je Einwohner 2016

EUR


 1 387  

 1 253  


 1 377  

Schuldenstand (Kernhaushalt, Eigenbetriebe) je Einwohner 2016

EUR

  961  


 1 115  

 1 026  


1) Flächennutzungsart in ALKIS Nomenklatur. – 2) Datenquelle: Bundesagentur für Arbeit.

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Statistisches Monatsheft Baden-Württemberg 4/2018

Land, Kommunen

Befestigungssystem der Wehranlage auf dem 

Schlossfelsen eingebunden. In Heidenheim lässt 

sich schon für die erste Hälfte des 14. Jahr-

hunderts ein Amtmann nachweisen. 1356 er-

hielt Heidenheim das Marktrecht durch Kaiser 



Karl IV. verliehen. Heidenheim war hellenstei-

nischer Lehensbesitz und wurde seit dem Ende 

des 12. Jahrhunderts gemeinsam mit der Burg 

und der gesamten Herrschaft Heidenheim an 

die Herren von Gundelfingen und von Rechberg 

vergeben. Seit 1351 war die Stadt Erblehen der 

Helfensteiner und kam als Besitztum 1448 bis 

1450 erstmals zur Grafschaft Württemberg, da-

nach wurde sie an Bayern verkauft. Von 1504 

bis 1519 gehörte sie wiederum zu Württemberg 

und von 1521 bis 1536 zu Ulm. Danach – von 

einer nochmaligen bayerischen Episode wäh-

rend des Dreißigjährigen Krieges abgesehen – 

blieb Heidenheim endgültig württembergisch. 

1810 wurde Heidenheim Oberamtsstadt des 

Oberamts Heidenheim und 1935 Kreisstadt des 

bei der württembergischen Gebietsreform ge-

schaffenen Landkreises Heidenheim.

Heidenheim hat eine Gemarkungsfläche von 

10 709 ha. Davon werden gut 20 % landwirt-

schaftlich genutzt. Damit liegt diese Flächen-

nutzungsart unter dem Landesdurchschnitt von 

45 %. Die Waldfläche beträgt knapp 60 % und 

liegt deutlich über dem Niveau des Landes  

(38 %). Knapp 18 % der Fläche sind besiedelt 

oder dienen als Verkehrsfläche, auch hier wird 

das Landesmittel deutlich überschritten.

Am 31. Dezember 2016 lebten 48 709 Personen 

in Heidenheim. Mit 455 Personen je Quadrat-

kilometer (km

2

) liegt die Besiedelungsdichte 



zwischen den großstädtisch und den ländlich 

geprägten Teilen Baden-Württembergs und über-

steigt den Landesdurchschnitt (307). Die Be-

völkerungsentwicklung war in den Jahren zwi-

schen 2006 und 2016 leicht negativ. In diesem 

Zeitraum hat die Bevölkerung um 1,1 % abge-

nommen. Sie entsprach damit nicht der landes-

weiten Entwicklung. Das Durchschnittsalter der 

Bürger von Heidenheim betrug 43,7 Jahre und 

lag damit leicht über dem Landesdurchschnitt 

von 43,3 Jahren. Etwas über 19 % der Einwoh-

Das Elmar-Doch-Haus (altes Rathaus) in Heidenheim

© Stadtverwaltung Heidenheim

Der Schlossturm von Heidenheim

© Stadtverwaltung Heidenheim


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Statistisches Monatsheft Baden-Württemberg 4/2018

Land, Kommunen

ner von Heidenheim hatten 2016 einen auslän-

dischen Pass. Der Ausländeranteil in Heidenheim 

lag damit deutlich über dem Landesdurchschnitt 

von gut 14 %. 

Die Entwicklung des Wohnungsbestandes in 

Heidenheim ist stagnierend. Im Zeitraum zwi-

schen 2006 und 2016 nahm der Wohnungsbe-

stand leicht um 0,1 % ab und liegt damit unter 

dem positiven Landesniveau. Die Werte für bau-

reifes Land lagen in dem Zeitraum zwischen 

2014 und 2016 mit 122 Euro je Quadratmeter 

(EUR/m

2

) um 64 EUR/m



2

 niedriger als die im 

Landesdurchschnitt ermittelten Werte. Das zeigt, 

dass Heidenheim als Wohnstadt für junge Fa-

milien, die ein neues Eigenheim bauen wollen, 

Potential bietet. Gut 63 % der Wohngebäude 

sind Einfamilienhäuser. Mit einer durchschnitt-

lichen Wohnfläche von 44 m

2

 je Einwohner  



liegt der Wert in Heidenheim unter dem Lan-

desdurchschnitt. Architektonisch fallen im Stadt-

bild von Heidenheim zahlreiche historische  

Gebäude auf: das Wahrzeichen der Stadt 

 

Schloss Hellenstein, mit seinem sehenswerten 



Schloss park; die evangelische Michaelskirche; 

das Elmar-Doch-Haus; das Untere Tor; die Villa 

Waldenmaier; der Bürgerturm Türmle; die 

Webersie dlung; die Heidenschmiede; das Alte 

Eichamt; die alte Peterskirche und das im Ju-

gendstil erbaute Konzerthaus.

Die Chance auf eine Beschäftigung in Heiden-

heim hat in den vergangenen 10 Jahren zuge-

nommen. So hatten 2016 rund 25 020 sozialver-

sicherungspflichtig Beschäftigte einen Arbeits- 

platz. Dies sind gut 7 % mehr als 2006. Lang-

fristig betrachtet lag die Zahl der sozialversiche-

rungspflichtig Beschäftigten 2016 um gut 1 700 

höher als 1999. Fast 36 % aller Arbeitsplätze in 

Heidenheim liegen heute noch in dem Wirt-

schaftsbereich des Produzierenden Gewerbes, 

nehmen damit aber keine dominierende Posi-

tion wie in vielen anderen Kommunen des Lan-

des ein. Der Schwerpunkt der Beschäftigung in 

Heidenheim liegt im Bereich der sonstigen Dienst-

leistungen mit über 48 %.

Der Schuldenstand je Einwohner in Heidenheim 

belief sich auf 961 Euro im Jahr 2016 und lag 

damit unter dem Landesdurchschnitt von 

1 026 Euro je Einwohner. Die Steuerkraftmess-

zahl je Einwohner lag im Jahr 2016 unter dem 

Landesniveau, wohingegen die Steuerkraft-

summe je Einwohner den Landesdurchschnitt 

leicht überstieg.

Kulturell hat Heidenheim seinen Einwohnern 

und Besuchern einiges zu bieten. Im Schloss 

Hellenstein befindet sich das Museum für Kut-

schen, Chaisen und Karren, eine Außenstelle 

des Landesmuseums Württemberg. Im Museum 

im Römerbad werden Funde aus römischer Zeit 

ausgestellt. Jährlich finden in Heidenheim die 

Opernfestspiele im Schloss Hellenstein statt. 

Sie entstanden aus den früheren Schloss-

serenaden. Weiterhin gibt es jährlich Freilicht-

spiele im Naturtheater Heidenheim. Sportliche 

Höhepunkte sind die Heidenheimer Fechtertage 

Ende März mit der Auslobung des Heidenhei-

mer Pokals. Die Fechtertage gelten als das 

schwerste Degeneinzelturnier der Welt. Natur-

liebhaber und Wanderer kommen im Eselsbur-

ger Tal bei Heidenheim auf ihre Kosten. Der als 

Naturschutzgebiet geschützte Abschnitt des 

Brenztals ist die Heimat von über 640 Blüten-

pflanzen und mehr als 80 Vogelarten. 

Am Eselsburger Tal bei Heidenheim



© Stadtverwaltung Heidenheim


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