Ortsgeschichte von Sankt Nikola an der Donau Von Wolfgang Schachenhofer Aus der Geschichte von St. Nikola


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Der Stille Stein 

In  der  düsteren  Felsklamm  des  Gießenbachtales  stand  einst  die  Gießenbachmühle.  Hier  lebte  eine 

schwerkranke Müllerin, ihr Töchterlein Maria und ein alter Knecht. Von einem alten Mann, der zu 

Besuch  in  der  Mühle  weilte,  erfuhr  Maria,  wie  sie  ihrer  Mutter  helfen  könnte:  weit  oben  in  der 

Schlucht soll ten seltsame, heilende Kräuter wachsen, die aber nur gepflückt werden dürften, wenn 

der Mond auf die Blüten scheine. Am gleichen Abend machte sich das Mädchen auf den Weg durch 

die finstere Klamm. Bei der mächtigen Felswand traf es ein Männlein, das es durch eine Felsspalte 

in einen Zaubergarten führte, in dem ein prächtiges Schloß stand. Obwohl es die Bergkönigin zum 

Bleiben überreden wollte, dachte es nur an die Kräuter und an die kranke Mutter. Die Bergfee gab 

ihm die heilenden Kräuter und  das  Männlein  geleitete es wieder zurück.  Da erscholl plötzlich ein 

gewaltiger  Donner  und  Maria  verlor  das  Bewußtsein.  Als  sie  wieder  zu  sich  kam,  war  das  wilde 

Tosen des Gießenbaches verstummt. Ein gewaltiger Stein lag über dem Graben und darunter hörte 

es das Wasser murmeln. Schnell machte sie sich auf den Heimweg. Als sie in das Haus eilte, fand 

sie die 


Mutter gesund vor. Glücklich erzählte sie ihr Erlebnis. Als sie der Mutter die mitgebrachten Kräuter 

zeigen wollte, fand sie statt dessen Geld und Edelsteine vor. 

 

Die Sage von der Wilden Jagd 

Dunkle  Wälder  haben  schon  immer  eine  unheimliche  Wirkung  auf  die  heimische  Bevölkerung 

ausgeübt. Sie gaben Anlaß für manche Sagen. 

Einst kehrte ein Bauer aus Achleiten im Gasthaus zur Aumühle ein. In fröhlicher Runde verging die 

Zeit sehr schnell und der Bauer wurde vom Einbruch der Nacht überrascht. So borgte er sich eine 

Laterne  und  machte  sich  auf  den  Heimweg.  Als  ihn  sein  Weg  durch  einen  dunklen  Wald  führte, 

vernahm  er  plötzlich  Kettengerassel  vermischt  mit  dem  Geheul  von  Wölfen,  dem  Zischen  von 

Schlangen,  dem  Gebell  von  Hunden  und  dem  markerschütternden  Schreien  von  Käuzen.  Diese 

Stimmen  wuchsen  zu  einem  ungeheuren  Gedröhne  und  Getöse.  Der  Schrecken  fuhr  dem  Manne 

durch die Glieder, das konnte nur die Wilde Jagd sein. Schnell warf er sich zu Boden, vergrub den 

Kopf  unter  seinen  Händen  und  begann  zu  beten.  Der  Bauer  wußte  nicht,  wie  lange  er  so  gelegen 

hatte. Als er sich zögernd erhob, merkte er, daß der nächtliche Spuk vorüber war. 

Niemand wollte ihm daheim die Geschichte glauben, doch Zeit seines Lebens sprach er von diesem 

gruseligen Erlebnis. 

 

Wie der Strudel geworden

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Einst fuhren viele Pilgerschiffe donauabwärts. Dies ärgerte den Teufel  gewaltig. Als die Pilger an 

der Stelle des Strudels und Wirbels noch zu beten anfingen, geriet er derartig in Wut, daß er große 

Felsblöcke  in  die  Donau  schleuderte.  Wohl  entgingen  die  Kreuzfahrer  dem  teuflischen  Anschlag, 

vielen Menschen wurde aber darauf diese Stelle zur letzten Ruhestätte. 

 

Die sieben Kurfürsten 

In der ehemaligen Ortschaft Baumgarten standen sieben kleine Häuschen. Die Besitzer waren meist 

Eigentümer einer Kuh. Der Volksmund nannte sie daher die „sieben Kuafürsten“. 



 21 

 

 



11.

 

Die Steinkugeln,  die bei  Niederwasser aus  der Donau herau  ragten, hatten eigene Namen. 

Da gab es die Marchkugel, die als Maßanzeiger für die Schiffsleute diente; die Wolfskugel, 

die für die talfahrenden Schiffe gefährlich war, sowie die Meißen-kugel, den Dreispitz, den 

großen und kleinen Roßkopf, die weite Kugel und wie sie alle hießen. Am bekanntesten war 

aber  das  Kachlet.  Dr.  Alois  Topitz  verwendete  in  den  O.Ö.  Heimatblättern  (Jg.  26,  1972) 

den Namen Bumaghachelt, was vielleicht lautmalerisch zu deuten ist, weil es „bum“ macht, 

wenn  ein  Schiff  drauffährt.  Josef  Petschan  (Sagen  und  Denkwürdigkeiten  aus  dem 

Strudengau) hingegen schreibt in den Sagen aus dem Strudengau von einem Bombenkachlet. 

Er  begründet  dies  folgendermaßen:  1683  ging  an  diesem  Felsen  ein  Munitionsschiff  des 

Fürsterz-bischofes von Salzburg unter. Diese Kugeln sollten zur Verteidigung Wiens vor den 

heranrückenden Türken dienen. Als im Jahre 1894 bei äußerst geringem Wasser stand eine 

weitere  Strudelregulierung  erfolgte,  fand  man  auch  einige  sogenannte  Bomben.  Die 

Direktion  des  Artillerie-Arsenals  in  Wien  erklärte  diese  Bomben  als  bayerischen 

Ursprunges  und  zwar  als  Sechzig-  und  Hundert-Pfünder  nach  Nürnberger  Gewicht. 

Interessant  ist  aber,  daß  das  Felsenriff  schon  seit  Menschengedenken  immer  das 

Bombenkachlet geheißen und erst die gemachten Funde die Namengebung erklärten. 

 

Das Kalkbrennen 

Um 1860 wurde in St. Nikola ein sehr beschwerliches Gewerbe ausgeübt. Die Familie Graß gewann 

aus  Kalkschotter,  den  Enns  und  Traun  der  Donau  zu-  führten,  Kalk.  Einen  ausführlichen  Bericht 

dazu  schrieb  Frieda  Czerkauer  in  dem  Heimatheft  für  das  Untere  Mühlviertel  „Riedmark  6“,  das 

von  einer  Ar  beitsgemeinschaft  herausgegeben  wurde  und  im  Verlag  Preßverein  in  Linz  Im 

folgenden ein kurzer Auszug: 

Die  Bewilligung  zum  Klauben  wurde  früher  im  Versteigerungs-  oder  Ausbietungswege  erlangt, 

später  stellte  sie  die  Strombauleitung  in  Grein  aus.  An  der  Klaubstelle  wurden  vier  Beschäftigte 

zum  Ausklauben  benötigt.  In  zwei  bis  drei  Tagen  war  der  „Trauner“,  ein  Schiff,  das  700 

Scheibtruhen  faßte,  „getaucht“.  Die  Tal-  oder  Naufahrt  beanspruchte  einen  halben  Tag.  Das 

Auslaufen  und  Anlegen  war  immer  ein  sehr  gefährliches  Unternehmen  und  erforderte 

wasserkundige Männer. Kam man endlich am Kalkofengelände an, begann das Aus- und Aufladen. 

Ein Aufzug beförderte die Steine in den Oberstock des tonnenförmig gemauerten Brennofens. Hier 

wurden  zuerst  einige  grobe  „Hobelscharten“  in  den  Ofen  hinuntergelassen,  Petroleum 

nachgeschüttet  und  einige  Schaffel  Koks  darübergestreut.  Nun  war  der  Ofen  zugerichtet  und  das 

Füllen begann. Zwei Personen füllten je ein Schaff Steine und je ein Schaff Koks in die kreisrunde 

obere  Öffnung  des  Ofens.  Am  nächsten  Tag  konnte  schon  gebrannter  Kalk  ausgenommen  und  in 

Fässer  gefüllt  werden.  Jeder  heiße  Stein  mußte  in  die  Hand  genommen  werden,  denn  große 

Leichtigkeit kennzeichnete den Kalkstein, der ja beim Brennen die Hälfte seines Gewichtes verlor. 

Nicht  ganz  durchgebrannte  Steine  hießen  „Krebsen“.  Schwere,  also  unbrauchbare  Steine  wurden 

weggeworfen.  Nach  dem  Ausnehmen  wurde  wieder  nachgefüllt,  bis  der  Bedarf  gedeckt  war.  Der 

gebrannte Kalk wurde in Fässer gefüllt und luftdicht verschlossen. Ein solches Faß enthielt 150 kg. 

Der anfallende Kalkstaub wurde als Dünger verkauft. 

 

Ausdehnung 

Die  Fläche,  die  das  Gebiet  der  Marktgemeinde  St.  Nikola  bedeckt,  hat  das  Ausmaß  von  1316 

Hektar. Nach der Größe der 26 Ortsgemeinden im Bezirk Perg steht St. Nikola daher an 21. Stelle, 

nach Rechberg und vor Arbing. 

Die Marktgemeinde St. Nikola zählt 220 Häuser, 290 Haushalte und hat 921 Einwohner. 

 

Ortschaften 

Achleiten: hat den Namen vom Achleitenlehen, das 1658 eines der größten Besitzungen war, und, 

von  den  unter  der  Herrschaft  Greinburg  stehenden  Gütern,  nur  vom  Meierhof  und  vom 

Schachenhof über troffen wurde. 



 22 

 

Hirschenau: Der Wildreichtum in diesem Augebiet gab auch dem Ort seinen Namen. 



Moosbach: Der Name leitet sich von den kleinen Moosen her, die an dem Bach vorkommen. 

Sankt  Nikola:  Ältester  Name  „Pahin“.  Die  Kirche,  die  dem  hl.  Nikolaus  geweiht  wurde,  gab  dem 

Ort seinen Namen. 

Sarmingstein: Der Name kommt vom Namen des ehemaligen Schlosses. 

Sattl: Höhenrücken (Sattel) oberhalb der Donau. 

Struden: Der Ortsname kommt von Donaustrudel. 

 

Gewässer 

Im  Westen  grenzt  die  Gemeinde  St.  Nikola  an  die  Gemeinde  Grein.  Die  Grenze  bildet  der  aus 

Norden kommende und in die Donau mündende Gießenbach. Dieser wird aus den Quellflüssen des 

Riedersdorferbaches, des Blümelbaches und des Vogelsambaches gebildet. In der Stillensteinklam, 

beim sogenannten „Stillen Stein“, verschwindet der Gießenbach auf einer Strecke von 300 Metern 

unter gewaltigen Felsblöcken, welche von den beiden Fels-  wänden der Schlucht abgestürzt sind. 

500 Meter vor der Aumühle geht die Grenze bis zum Dimbach. Der Dimbach mündet in St. Nikola 

in die Donau. Die Grenze verläuft weiter in östlicher Richtung bis zum Sarmingbach. Dieser Bach 

entspringt in Marchstein, Gemeinde St. Georgen am Walde. Einen Strecken- abschnitt bildet er die 

Landesgrenze  gegen  Nieder-  österreich  und,  kurz  vor  seiner  Mündung  in  die  Donau,  die 

Gemeindegrenze  zu  Waldhausen.  Viele  Überreste  von  Mühlen  und  Sägewerken  zeugen  von  der 

ehemals großen Bedeutung des Sarmingbaches. Die Gemeindegrenze zieht sich nun in südöstlicher 

Richtung bis zum Weidenbach fort. Von hier grenzt die Gemeinde Nöchling in Niederösterreich an 

St.  Nikola.  Die  Grenze  verläuft  vom  Weidenbach  über  den  Guglbach  bis  zum  Hetzlbach.  Die 

Donau bildet die Südgrenze gegen Niederösterreich, und zwar von der Mündung des Gießenbaches 

bis  zur  Mündung  des  Hetzlbaches  unterhalb  der  Ortschaft  Hirschenau.  Oberhalb  des  Marktes 

Struden teilt sich die Donau in zwei Arme, den Struden und den Hößgang. Zwischen diesen beiden 

Armen liegt die Insel Wörth. 

Die  höchsten  Erhebungen  in  der  Gemeinde  sind  der  Kirchenberg  in  St.Nikola,  die  Donauleiten 

zwischen  St.  Nikola  und  Sarmingstein,  der  Schloßkogl  hinter  Sarmingstein  und  der  Predigtstuhl 

gegenüber dem selben. 

Die Abhänge der 500 — 600 Meter hohen Berge drängen sich bis zum Ufer der Donau. Den tiefsten 

Punkt  bildet  die Donauuferstraße mit  230 m  ü. d. M. Der Höhenunterschied beträgt  somit  300  — 

400 m. 


 


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