St. Peter am Hart und die Geschichte um den ersten Weltkrieg


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St. Peter am Hart und die Geschichte um den ersten Weltkrieg 

 

 

Das große K. u K. Gefangenen-Lager an der Mattig in unserer Gemeinde 

 

Aus der Gemeindestube: 

Es wurde beschlossen, dass Waldbeerzettel gegen Gebühr von 40 Heller 

ausgegeben werden. 

Damit wurde das Sammeln von Waldbeeren erlaubt. 

 

Zwischen 1914 und 1918 musste sich der Gemeinde-Ausschuss 

überwiegend mit Anträgen auf Unterstützung bedürftiger 

Gemeindebürger beschäftigen. 

Zuwendungen von Geld und Sachgütern, Zuschüsse zum Wohnen, 

zum Heizen, zur Bekleidung, zum Ankauf von Nahrungsmitteln des 

täglichen Bedarfes waren an der Tagesordnung. 

 

Es ist nicht bekannt, ob Lebensmittelkarten ausgegeben wurden. 

 

Es ist kein Protokoll zu finden, in welcher Form die Gemeinde St. Peter zur Errichtung des großen 

Gefangenen-Lagers entlang der Mattig beizutragen hatte, befand sich doch der überwiegende Teil auf 

unserem Gemeindegebiet. 

 

1918 wurde die Zeichnung einer Kriegsanleihe vom Gemeinde-Ausschuss wegen Geldmangel abgelehnt. 

 

Nach Ende des ersten Weltkriegs trat eine empfindliche Verteuerung der Lebenshaltungskosten ein. 

Bedarfsgüter wurden knapp, Petroleum für Beleuchtungszwecke wurde nur mehr an Familien mit vielen 

Kindern und an Großviehhalter abgegeben. 

Alle anderen Gemeindebewohner erhielten Kerzen nach Ermessen der Vorräte zugeteilt. 

 

Der größte Teil der lebensnotwendigen Güter war nur mehr im Schleichhandel erhältlich. 

 

Rinder, Kälber und Schweine durften nur mehr mit amtlichem Viehpass gehandelt 

werden.  

Zuwider-Handeln wurde unter Strafe gestellt, der Viehpass etwas anders gesehen, 

war bis in unsere Zeit noch in Gebrauch. 

 

1920 wurde der Bürgermeister ermächtigt, NOT- GELD einzuführen. 

 

In St. Peter waren 10, 20 und 50 Heller Papierscheine im Umlauf. 

Münzen kamen nicht zur Anwendung da Metall zur Prägung knapp war. 

 

 

In diesen Jahren nach dem Krieg stieg die Inflation kräftig an, Arbeitslose gingen 

von Haus zu Haus (Hamstern) und baten um ein wenig Brot. 

Manche wurden auch vom Bettelfenster weggeschickt. 

  

Auch St. Peter wurde von der Wirtschaftskrise heimgesucht. 

Die Bevölkerung verarmte zunehmend. 

Die Arbeitslosigkeit stieg weiter an. 

 

Zu dieser Zeit wurde in Hagenau im Gasthaus Spießberger die Kloa Gmoa gegründet. Der Zweck dieser 

Tischgesellschaft war es,  für die Armen, im Dorf im Gasthaus eine Mahlzeit anzubieten. 

Aus Erlösen vom Kartenspiel und Gaben der Kloa-Gmoa Mitglieder wurde diese Ausspeisung möglich. 

 

Die Kloa-Gmoa gibt es heute noch, aber der soziale Aspekt ist dem Geselligen gewichen. 

 

In den dreißiger und vierziger Jahren wurde künstlich Arbeit geschaffen, alles steuerte wieder in einen 

Krieg. 

 

Die Schwerindustrie brauchte Material und Menschen. 

 

Autobahnen, Flugplätze, Fabriken für Stahl, Aluminium und Rüstung wurden gebaut. 

 

In St. Peter wurde das Umspannwerk aus dem Boden gestampft, ursprünglich sollte die Aluminiumhütte 

auch in St. Peter entstehen aber man konnte sich nicht mit den Grundbesitzern einigen.  

Am Inn entstanden die Kraftwerke Ering und Egglfing. 

Der Stausee Hagenau entstand, er war Stauraum und Energiespeicher fürs Kraftwerk! Heute ist dies ein 

riesiges Naturschutzgebiet geworden. 

 

Der in den Kraftwerken produzierte Strom wurde in Überlandleitungen ins Umspannwerk und weiter bis 

in die Industriegebiete nach Deutschland oder umgekehrt nach Linz an der Donau transportiert um die 

Industrie zu versorgen. Das Speicherkraftwerk  Kaprun war im Bau und dessen Energie sollte auch zur 

Verteilung nach St. Peter gelangen. 

 

Allein daraus ist ersichtlich welche Strategien entwickelt wurden um die Wirtschaft die Kriegswirtschaft 

anzukurbeln. 

 

 

 

Krieg ist ein Instrument von Menschen geplant um Menschen zu vernichten. 

 

Krieg ist Verderben, ist Elend ist Not und bringt Hunger und Tod. 

 

Aus der Geschichte haben die Menschen nicht gelernt, das K. und K. Gefangenenlager  der Monarchie hier 

in St Peter war Zeichen für eine schreckliche Welt. 

 

Die Menschen, die dort gelebt und gestorben sind, sie sollen uns erinnern und mahnen zu einer besseren 

Welt. 

Der Friede der beginnt bei uns selbst in unseren Herzen in unseren Familien und wenn dies gelingt in 

unseren Gemeinden in unserem Land und auf unserer Welt. 

 

Möge unser Werk gelingen und vom guten Geist getragen sein! 

 

Möge das Samenkorn aufgehen das wir als Beitrag zum Frieden sähen, mögen unsere Kinder eine gute 

Ernte einfahren. 

 

 

 

Geschichtliches zum K. und K. Gefangenenlager in St. Peter am Hart. 

 

Schon kurz nach Kriegs- Ausbruch 1914 wurde nach anfänglichen Erfolgen der Österreicher an der Ost-

Front entschieden, in Etappenbereichen Kriegsgefangenenlager zu errichten. 

 

Im Dezember 1914 erschien eine Kommission des Kriegsministeriums zur Begehung und Erkundung der 

Gegend und den dafür notwendigen Flächen. 

 

Nach längeren Verhandlungen entschied man sich für die Mattig-Senke in St. Peter. 

 

Die Gemeinden St. Peter, Ranshofen und Braunau waren damit betroffen. 

 

In St. Peter war der größere Teil des Lagers geplant. 

 

Beginnend in Dietfurt, das eigene E-Werk gehörte auch dazu, bis hinauf nach Aselkam, Ofen und Aching 

erstreckte sich die Anlage. 

 

Bahnlinie und Fluss spielten eine wesentliche Rolle für die Entscheidung des Standortes. 

 

Im Jänner 1915 werden die ersten Bauten des Lagers errichtet, von russischen Gefangenen 308 an der Zahl 

die vorerst in Braunau in der Kaserne untergebracht waren. 

 

Handwerksbetriebe des Innviertels waren beim Lager-Bau dabei. 

Tischler, Schlosser, Glaser, Spengler, Dachdecker, Zimmerer, Maurer und Handwerker der 

verschiedensten Berufe. 

 

Es wurden Baracken errichtet Straßen und Wege 

angelegt, Brücken über die Mattig geschlagen und 

Kanäle samt Wasserleitungen verlegt. 

 

Eine Infrastruktur für zirka 25000 Menschen wurde in 

kurzer Zeit geschaffen. 

 

Wohnbaracken, Krankenstationen, Essbaracken, 

Werkstätten, Bäckereien, Schlachthäuser, Badebaracken, Arrestbaracken, Kapelle, Friedhof mit 

Leichenhalle waren in der Gefangenenstadt für 

Wachmannschaft und Gefangene vorhanden. 

Natürlich war das Leben im Lager mit großen 

Entbehrungen verbunden. 

Man stelle sich vor: 25000 Gefangene und 1000 Mann 

Wach-Mannschaft verlangen täglich nach Nahrung 

und Bedürfnissen des täglichen Lebens. 

 

Ärztliche Versorgung und Beistand -  ob es das 

wirklich alles gab? 

 

Hygiene, der Fluss zum Waschen, was geschah mit den Menschen bei bitterer Kälte im Winter oder Hitze 

im Sommer? 

 

Offiziere und Wachpersonal waren natürlich besser untergebracht und versorgt. 

Sogar Sport und ein Tennisplatz waren für sie vorhanden. 

 

Wie muss es den Gefangenen beim Beobachten der anderen Seite wohl ergangen sein? 

 

Fragen tun sich auf, wer gibt Antwort darauf? 

 

Jeder Mensch hinterlässt Spuren, wir sind gerade dabei, diese Spuren zu verfolgen. 

 

 

Das Lager bestand aus 496 Baracken inklusive diversen Haupt- und Nebengebäuden. 

 

58  

Versorgung, Wachmannschaft, Lagerkommando und Offiziere 

423 

Gefangenen Baracken 

15  

Sonstige Gebäude 

 

Es gab auch eine Trafik, Marketenderei, ein Postamt, eine Kapelle, ein Offiziers-Casino und vier 

Arrestbaracken. 

 

Für Offiziere und Mannschaft standen bereit 

8   

Offiziersbaracken 

16  

Wachbaracken 

4   

Große Werkstattbaracken 

1   

Zentralkanzlei 

14  

Mannschaftsbaracken 

3   

Bäckereibaracken 

1   

Schlachthaus 

4   

Rinderställe 

3   

Schweineställe 

3   

Magazinbaracken 

1   

Wagenremise 

5   

Wasch und Reinigungsbaracken 

3   

Feuerwehrbaracken 

 

Für Gefangene standen bereit 

14  

Baracken für gefangene Offiziere 

176 

Mannschaftsbaracken  Belegung mindestens 80 Personen 

86  

Waschbaracken 

34  

Speisebaracken 

14  

Werkstätten 

10  

Kanzleibaracken 

3   

Sanitätsbaracken 

4   

Bade und Wäschereibaracken 

21  

Küchenbaracken 

7   

Requisitenbaracken 

7   

Bereitschaftsbaracken 

1   

Fäkalienverbrennungsanlage 

 

Für die Krankenabteilung standen bereit 

18  

Mannschaftsbaracken 

4   

Waschbaracken 

Für die Isolierabteilung standen bereit 

10  

Mannschaftsbaracken 

1   

Requisitenbaracke 

1   

Desinfektionsbaracke 

1   

Kanzleibaracke 

2   

Leichenhallen 

 

 

Schon im Sommer 1915 war ein überwiegender Teil des Lagers belegt 

 

Im Oktober 1915 waren 20200 Mann inhaftiert und die Zahl der Gefangenen stieg bis August 1917 auf 

24305 Mann an. 

 

Es ist die höchste Zahl an Gefangenen die bekannt wurde. 

 

 

Die Staats-Straße von St. Peter nach Braunau wurde von Gefangenen des Lagers umgebaut und teilweise 

verlegt. 

 

Vom Bahnübergang, das Häuschen hat wahrscheinlich schon damals gestanden bis zur Mattig wurden die 

notwendigen Arbeiten mit viel Schweiß, Blut und Tränen durchgeführt. 

 

Das heutige E-Werk diente mit seinem Generator zur Stromversorgung für die Gefangenen-Stadt mit 

ausgebauter Infrastruktur. 

 

Erst in den 70er Jahren wurde die Postbaracke abgerissen, sie ist in Dietfurt an der Straße gestanden. 

 

Einige Einbauten, Keller, Häuser und Brücken sind noch heute vorhanden und sind so zu Zeit-Zeugen 

einer vergangenen schrecklichen Zeit geworden. 

 

Durch diese Geschichte lernen wir begreifen was der Krieg über die Menschen bringt. 

 

Tod, Elend, Vertreibung und bittere Not sind der Fluch dieses unmenschlichen Treibens. 

 

1422 russische und italienische Gefangene verschiedenster Konfessionen sind im Friedhof des Lagers 

begraben, der heute vom schwarzen Kreuz betreut wird und in Haselbach liegt. 

 

Ihre Stimmen sind verstummt ihre Gräber aber mahnen zum Frieden auf dieser Welt. 

 

Beschreiten wir gemeinsam die Brücke von damals unten an der Mattig sie verbindet heute zwei 

Gemeinden und die Menschen hüben und drüben des Flusses. 

 

Setzen wir heute die Zeichen an diesem denkwürdigen Ort, hier und jetzt gemeinsam den Weg zum 

Frieden zu gehen. 

 

Die Kinder von Morgen, Sie werden es uns danken, Sie bekommen eine hoffentlich 

bessere, friedliche Welt. 

 

 

 

Rüdiger Buchholz 

Bürgermeister St. Peter am Hart 

2011 

 

Abbildungen: 



Lagergeld (OStR Mag. Florian Kotanko) 

Papiernotgeld (aus: Max Eitzlmayr, St. Peter am Hart (Gemeindechronik), S. 35) 

Rohrbrücke über die Mattig (aus: Max Eitzlmayr, St. Peter am Hart (Gemeindechronik), S. 201) 

Kapelle des Lagers (aus: Max Eitzlmayr, St. Peter am Hart (Gemeindechronik), S. 201) 

Gefangene verlegen die Stattsstraße Braunau-ST. Peter in Dietfurft (aus: Max Eitzlmayr, St. Peter am Hart 

(Gemeindechronik), S. 199) 

 

 

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Plan des Lagers auf eine Satellitenaufnahme von heute (September 2011) montiert, um die Ausdehnung deutlich 

zu machen. 

Plan des Lagers 


 

Hier befindet sich noch heute der 

Soldatenfriedhof in Haselbach 

B 148 (Fiat Moser) 

Umspannwerk St. Peter 

Gasteig 


Maierhof 

Aselkam 


Jahrsdorf 

ÖBB Richtung 

Mauerkirchen / 

Mattighofen 



Louisenhöhe 

Plan des Kriegsgefangenenlagers (OStR Mag. Florian Kotanko) 

 


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