Ernst Thälmann als Leitfigur der kommunistischen Erziehung in der ddr


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Dokument C 2.c
Gelöbnis der Jungen Pioniere anläßlich der Namensverleihung „Ernst Thälmann“ an die Pionierorgani-
sation am 23.08.1952 in Dresden (Titelseite „Der Junge Pionier“, in: Chowanetz 1988, S. 303)
Wir Jungen Pioniere, Söhne und Töchter des deutschen Volkes
geloben bei unserer Pionierehre unserem Präsidenten Wilhelm Pieck
daß wir uns stets des Namens Ernst Thälmanns würdig erweisen werden,
der für das Glück unseres Volkes gekämpft und dafür sein Leben gegeben hat.
Das geloben wir! Alle: Das geloben wir!
Wir geloben, daß wir im Kampf für die Errichtung eines einheitlichen, friedliebenden demokratischen und
unabhängigen Deutschland unsere ganze Kraft einsetzen werden.


Alle: Das geloben wir!
Wir geloben, stets unerschrocken für den Sieg des Sozialismus in unserem Lande einzutreten.
Alle: Das geloben wir!
Wir geloben, die Freundschaft mit der Sowjetunion zu pflegen und zu hüten so wie Ernst Thälmann und Wil-
helm Pieck.
Alle: Das geloben wir!
Wir versprechen, vorbildlich zu leben und zu lernen,
um würdige Bürger unserer Deutschen Demokratischen Republik zu werden!
Alle: Das geloben wir!
Dokument C 2.d
Pionierversprechen an den VIII. Parteitag
(aus: Dähnhardt 1977, S. 198)
Wir wollen treu, fest, stark und siegesbewußt im Handeln sein - wie unser Ernst Thälmann!
Wir wollen immer lernen, arbeiten und kämpfen - wie unser Ernst Thälmann!
Wir wollen gute Patrioten werden - wie unser Ernst Thälmann!
Wie wollen die ewige Freundschaft zur Sowjetunion und den proletarischen Internationalismus behüten - wie
unser Ernst Thälmann!
Im Geiste Ernst Thälmanns gilt unsere Liebe, unsere Treue und unsere Kraft unserer Deutschen Demokrati-
schen Republik!
Das versprechen wir!
Dokument C 2.e
Leserbriefe (aus: Trommel 1986, 3, S. 15)
Post aus der Sowjetunion, aus Annikwere in der Estnischen SSR
Gedanken, worüber Ernst Thälmann sich freuen würde
Ernst Thälmann würde sich freuen, wenn es zwischen allen Ländern Freundschaft gäbe, wenn überall Frieden
herrschte. Alle Völker müßten gleiche Rechte haben, und das Weltall müßte den Interessenten der friedlieben-
den Menschen dienen. Anti Blumau
Bei uns hat jeder das Recht auf Arbeit, auf Lernen, auf Erholung. Alle leben in guten Wohnungen, haben ge-
nug zu essen, sind glücklich miteinander. Das würde Ernst Thälmann freuen. Maiki Tomband
Er würde sich auch ganz bestimmt über den Kampf unseres Landes um den Weltfrieden freuen. Und daß in der
DDR, unserem Freundesland, die Menschen im Sozialismus leben und alle für den Frieden tun. Marilius
Hermlin
Die Menschen in den sozialistischen Ländern leben freundschaftlich miteinander. Sie kämpfen gemeinsam für
den Frieden. Die Kinder gehen in die Kindergärten oder in die Schule, die Großen zur Arbeit. Viele haben
Brieffreundschaften in anderen Ländern und besuchen sich einander. Über all das würde sich Ernst Thälmann
freuen. Lemmie Reinol


Dokument C 2.f
ABC-Zeitung  
(aus: Henning 1983 = ABC-Zeitung Nr. 9/1983, S. 12f.)
Dokument C 2.g
Fahnensprüche zum Thälmann-Appell, Gedichte für Gedenk- und Feiertage
(aus: Pionierkalender 1978, S. 136; Pionierkalender 1981, S. 2; Pionierpalast „Ernst Thälmann“ (1981), S.
242; Preißler 1984; Trommel 25 (1972) 11, S. 6)
Ernst Thälmann ist einer der Besten des deutschen Volkes - / Fleisch von seinem Fleisch, Blut von seinem
Blut. / Ernst Thälmann, das ist die Kampffahne der werktätigen Massen, / das ist die Fahne für Frieden, Frei-
heit und Wohlstand. Wilhelm Pieck
Wir haben stolz unserem Bund den Namen Ernst Thälmann gegeben, / wir haben geschworen, zu jeder Stund’
nach seinem Vorbild zu leben. Erich Weinert
Die Geschichte unseres Lebens ist hart. Deshalb fordert sie ganze Menschen. Du, ich und alle Mitkämpfer für
unsere große Sache müssen stark, fest, kämpferisch und zukunftssicher sein. Ernst Thälmann
Treu und fest, stark im Charakter und siegesbewußt im Handeln, so und nur so werden wir unser Schicksal
meistern. Ernst Thälmann
Unsere unausgesetzten Opfer im Kampf gegen den Faschismus sind und bleiben ein großes Plus für unsere
Politik und haben uns Vertrauen gebracht. Der Größe eines politisch handelnden Menschen wird man nur dann
gerecht, wenn man ihn nicht allein danach beurteilt, was erreicht, sondern auch danach, was er gewollt hat.
Ernst Thälmann
Mein Leben und Wirken kannte und kennt nur eines: für das schaffende deutsche Volk meinen Geist und mein
Wissen, meine Erfahrungen und meine Tatkraft, ja mein Ganzes, die Persönlichkeit, zum Besten der deutschen
Zukunft, den siegreichen sozialistischen Freiheitskampf im neuen Völkerfrühling der deutschen Nation einzu-
setzen. Ernst Thälmann
Auch in meiner Jugend haben oft kleinste Erlebnisse meinen Weg bestimmt und große Dinge haben sich da-
mals für immer in mein Innerstes eingeprägt und mir meine Stellung zur Gesellschaft gezeigt. Ernst Thälmann


Max Zimmering: Flammenspruch der Thälmannpioniere
Flamme du, Symbol der Helden, /die in Buchenwald geblieben, / deine Botschaft - laß die melden - / ist uns
tief ins Herz geschrieben.
Wir, die wir Ernst Thälmann schworen, / sein Vermächtnis stets zu ehren, / wir, in seinem Staat geboren, /
woll’n - ihm würdig - uns bewähren.
Ganz in seinem Geist zu streben, / Völkerfreundschaft hochzuhalten, / für den Sozialismus leben, / den wir
heut schon mitgestalten,
werden wir uns lernend mühen, / was uns mehr ist als Verpflichtung, / weil wir für das Morgen glühen. / - Die
Partei zeigt uns die Richtung.
Dem Sowjetvolk eng verbunden / als der Zukunft Vorbereiter, / die im Kampfe sich gefunden, / sind wir junge
Friedensstreiter.
Bernhard Seeger: Was Vater erzählt
Die Funzel verrußt, hart war das Brot. / Das Packpapier war nicht gut. / Doch unsere Tinte, die war rot,  /
Und wir schreiben wie mit Blut.
Wir machten uns mit Gesprächen Licht, / Mit Liedern heizten wir ein. / Wir schreiben, daß unser Teddy
spricht. – / Wer konnte da müde sein?
Wir trugen die Zettel von Haus zu Haus ... / Daß Thälmanns Stimme weit schallt, / Legten wir eine Leitung
aus. / Die Masten gab uns der Wald.
Wir bewachten die Leitungen den ganzen Tag. / Am Abend kam Thälmann und sprach.
Und jedes Wort war ein Donnerschlag, / Und jedes Wort hielt uns wach.
Da schnitten sie uns die Leitung entzwei. / Die vorn waren, merkten es nicht. / Doch von hinten kam ein wü-
tender Schrei: / „Wir hören nicht, was er spricht!“
Da wischte sich Teddy den Schweiß vom Gesicht. / Breit wie ein Fels stand er da. / „Was!“ rief er dröhnend. –
„Ihr hört mich nicht?“ / Von unten erscholl ein Hurra!
Die Worte wuchteten straßenweit. / Die Adern schwollen ihm an. / Dann floß seine Rede – mächtig und breit –
, / Die keiner erwürgen kann ...
Albert Gabriel: Wir werden Thälmannpioniere
Am Tag, / Wenn wir Thälmannpioniere werden, / Stehen wir früh auf, / Waschen den Himmel, / Kämmen die
Bäume, / Essen Frühstück / Mit Sonne, Wolken und Wind.
Sonne / Entzündet drei rote Flammen, / Wolke / Trägt unser weißes Hemd. / Wind, / Der Reiter über den Ber-
gen, / Läßt unsre blauen Wimpel wehn.
In unser Halstuch / Knüpfen wir Freundschaft: / Elternhaus, Schule und unser Gedicht. / Grüßen Ernst Thäl-
mann, / Der seinen Namen gibt, / Der uns lehrt, / Den Krieg zu hassen, / Den Frieden zu lieben.
Dokument C 2.h
Veranstaltung zur Vorbereitung der Jungpioniere als Thälmannpionier
(aus: Hinze 1978, S. 14f.)
Bekanntmachen mit dem Pioniergelöbnis
In dieser Gruppenarbeit wird an das im Unterricht erworbene Wissen über das Leben und den Kampf von
Ernst Thälmann angeknüpft. Sie lernen Kampfgefährten von Ernst Thälmann kennen. In dieser Veranstaltung
werden sie auf die Aufnahme als Thälmann-Pioniere vorbereitet.
Sie befassen sich mit dem Inhalt und der Bedeutung des Gelöbnisses. Mit dem Ablegen übernehmen sie gleich-
zeitig die Verpflichtung, die ihnen übertragenen Aufgaben gewissenhaft zu erfüllen und sich gegenseitig Hilfe
zu geben.
Zur Durchführung
Einstimmung: Mit dem Lied „Ich trage eine Fahne“.
Ein Schüler trägt ein Gedicht vor.
„Weißt du, Thälmann ist Vater jedem Kind,
alles gab er hin, daß wir glücklich sind.


Ehre ihn mit Fleiß, lerne Jahr um Jahr;
daß du immer bist, wie Thälmann war!“
Mit dem Lied „Wir tragen die blaue Fahne“ werden die Gäste begrüßt.
Danach erzählt der Parteiveteran aus seinem kampferprobtem Leben, vom Widerstand gegen den Faschismus
und der Befreiung durch die Sowjetarmee. Er berichtet auch, welches große Ansehen die Genossen Ernst
Thälmann und Wilhelm Pieck schon damals hatten.
In einer vorgesehenen Gruppenarbeit können Fragen vorbereitet werden, um die Schüler mit einzubeziehen,
wie:

 
Haben sich alle Arbeiter dem Kampfbund der Arbeiterklasse angeschlossen?

 
Warum waren Ernst Thälmann und seine Genossen Freunde der Sowjetunion?

 
Was zeichnete Ernst Thälmann besonders aus?

 
Wie können wir von Ernst Thälmann und seinen Genossen lernen?
Die Schüler zeigen ihre selbst angefertigte Mappe über „Ernst Thälmann“.
Danach hören wir die Schallplatte „Brüder sehr die rote Fahne“, die Schüler summen leise mit.
Ein Schüler liest eine Episode aus dem Buch „Teddy und seine Freunde“.
Danach trägt ein Pionier des Jungpionierrates das Gelöbnis vor. Er verpflichtet die Pioniere der 3. Klasse,
überprüfen, wie sie ihren Pionierauftrag erfüllen. Gemeinsam überlegen sie, worüber sie bei der Aufnahmefeier
berichten können. Als Ausdruck der Verehrung und des Dankes überreichen die Jungpioniere dem Parteivete-
ran eine Freundschaftsmappe mit guten Taten und Blumen.
Zum Abschluß singen alle das Lied „Fröhlich sein und singen“ und verabschieden sich mit dem Pioniergruß.
Dokument C 2.i
Wer war Teddy? Ein Gruppennachmittag über Ernst Thälmann für die Pioniere der Klassen 2 bis 4
(aus: Ganztägige Bildung und Erziehung 18 (1980) 3, S. 103ff., Rubrik „Impulse für eine schöpferische und
vielseitige außerunterrichtliche Tätigkeit der Kinder in den Klassen 1 bis 4., Autoren: HeidemarieTolke und
Gerd Bremerstein; Zur sinnvollen Vervollständigung
 in den eckigen Klammern 
die empfohlenen Lesestellen
sind aus den entsprechenden Büchern eingefügt.)
Benötigte Materialien:
Bücher: „Teddy und seine Freunde“, Verlag Junge Welt, Berlin 1969; „Frühlingsgruß“, Verlag Junge Welt,
Berlin 1975.
Schallplatten:„Singe, Freie Deutsche Jugend“ (Eterna 810030) Lied „Heimatland, reck deine Glieder“

 
Schola S 16 mit einer Episode über Fritz Weineck und Ernst Thälmann

 
Schola S 31, Lied „Lied vom kleinen Trompeter“
Dias können aus den schuleigenen Dia-Reihen über Ernst Thälmann und die Pionierorganisation zusammenge-
stellt werden.
Während des Gruppennachmittags lernen die Pioniere besonders die Kindheit und Jugend Ernst Thälmanns
kennen. Durch das Vorlesen relativ unbekannter Geschichten über Ernst Thälmann erfahren sie gleichzeitig,
welche Menschen an der Seite von „Teddy“ lebten und kämpften. Abschließend soll gezeigt werden, daß heute
die Pionierorganisation mit dem verpflichtenden Namen Ernst Thälmann sein Vermächtnis in Ehren erfüllt.
Am 16. April 1896 wurde Ernst Thälmann in Hamburg geboren. Sein Vater hatte einen kleinen Gemüseladen,
und oft fuhr er mit seinem Pferdewagen Obst und Gemüse. Der kleine Ernst half ihm dabei. Das tat er früh-
morgens, noch bevor er zur Schule ging. Kräftig, wie Ernst war, trug er Körbe  und Säcke zum Wagen seines
Vaters.
Dia 1: Porträt Ernst Thälmanns
Dia 2: Der Hamburger Hafen um 1880
Dia 3: Vater und Geburtsurkunde
Lesen: „Teddy und seine Freunde“, Seite 6: „Die Händler staunen...“ bis Seite 8: „...noch ein Junge war...“
[Die Händler staunen. Alle kennen Ernst. Einer sagt zum Vater: „Deine beste Ware ist dein Junge. Was willst du für
ihn haben? Den kaufen wir dir sofort ab!“ ein Händler schenkte Ernst eine  dickbackigen, roten Apfel. Ernst steckte
ihn in die Hosentasche. Ein anderer Händler sucht aus seinem Korb einen schönen, schneeweißen Rettich. / „Da!“ sagt
er und hält ihn Ernst hin. Ernst läßt ihn ebenfalls in seiner Hosentasche verschwinden. / Drüben, auf der anderen


Seite des Marktes, stehen große Kisten voll Apfelsinen, Bananen und Weintrauben. „Warum kaufst du sie nicht, Va-
ter?“ fragt Ernst. „Die können nur reiche Händler für ihre reichen Kunden kaufen“, entgegnet der Vater. „Unsere
Kunden sind Arbeiter...“ Und Ernst versteht, was Vater sagt; denn Ernst hat viele Freunde, deren Väter Arbeiter sind.
Sie können ihren Kindern nicht einmal belegte Brote mit zur Schule geben. / Als Ernst beim Nachhausefahren wieder
vorn auf dem Kutschbock sitzt, sagt der Vater zu ihm: „Iß doch den Apfel, Junge!“ Aber Ernst tut, als hätte er nichts
gehört. er blickt plötzlich interessiert auf die Straße. Dabei sind nur häßliche graue Mietshäuser zu sehen und kleine
Läden, die noch geschlossen haben. der Vater merkt, daß Ernst nicht hören will. Er lächelt still in sich hinein. Vater
Thälmann kennt seinen Jungen. „Laß ihn“, denkt er, „er ist ein guter Junge, der Ernst.“ Er muß sich sputen. Schnell
hilft er das Pferd ausspannen und die Körbe und Säcke abladen. Dann läuft er eilig in die Küche. Er legt den Rettich
auf den Tisch und sagt zur Schwester, die gerade seine Brote für die Schule zurechtmacht: „Gib mir noch ein Brot
mehr und leg noch eine Scheibe Wurst drauf.“ „Jeden Morgen dasselbe“, murrt die Schwester, und sie denkt: „Soviel
kann er doch gar nicht aufessen.“ Doch Ernst steht daneben und beobachtet sie genau. er gibt ihr einen Puff und sagt:
„Mach schon!“ / Auf dem Schulweg trifft Ernst einen seiner Freunde. Der ist blaß und dünn, und Ernst weiß, er hat
keine belegten Brote mit. Gleich wickelt er sein Stullenpaket aus und gibt ihm eine Stulle mit Wurst. Hinterher holt er
den Apfel aus der Hosentasche. Mit beiden Handballen bricht er ihn mittendurch. Jeder ist die Hälfte. / Nun schmeckt
Ernst der Apfel. Und sein Freund, der Arbeiterjunge, braucht nicht hungrig in die Schule zu gehen. Hilfsbereit und
stets ein guter Kamerad, so war Ernst Thälmann, der mutige Arbeiterführer, als er wie ihr ein Junge war ...]
Ernst war ein fleißiger und guter Schüler. der jede Gelegenheit nutzte, um Bücher zu lesen und so noch mehr
Neues zu erfahren. Dabei verglich er stets das Gelesene mit der Wirklichkeit. Und seine Meinung vertrat er
immer offen und ehrlich. So auch eines Tages in der Schule, als sein Lehrer, Vikar Behrens, ihn suchte. Ernst
hatte seinen Freunden ein Buch mitgebracht, und das fanden sie interessanter als die ihrer Meinung nach über-
flüssige Religionsstunde. Deshalb mußte sich der Vikar auf die Suche nach seinen Schülern begeben.
Dia 4: Ernst mit seiner Schulklasse.
Hinweis: Dem Alter entsprechend sind die Begriffe Vikar und Religionsstunde zu klären.
Lesen: „Frühlingsgruß“, S. 8: „Da sah er sie...“ bis S. 8: „... von selbst gekommen“.
Da sah er sie in einer Mauernische hocken, die Jungen, die er suchte. Und in der Mitte ein Blonder, der etwas aus
einem Buch vorlas. Der Vikar kniff die Augen hinter den blanken Gläsern zusammen. Wie hieß er doch gleich, dieser
Blonde mit dem Buch? Auf Ernst konnte er sich noch besinnen. Ernst Thalheim? Oder Thälheim? Nein, Ernst Thäl-
mann! Nun wußte er es wieder. / Die Jungen hatten den Vikar nicht bemerkt. Erst als er sich räusperte, blickten sie
auf. Und der Blonde klappte das Buch langsam zu. / „Woraus hast du da eben vorgelesen?“ wandte sich der Vikar an
ihn. „Das Buch handelt von Klaus Störtebeker, dem kühnen Seehelden“, sagte Ernst Thälmann. „Er hat immer die
Armen beschützt und mit dem Schwert für sie gekämpft.“ / Der Junge sah dem Vikar fest in die Augen. Und seine
Stimme war so fest wie dieser Blick. / Das Gesicht des Vikars verfärbte sich leicht. „Gut, gut, Thälmann“, erwiderte er
barsch, „spare dir deine Erklärungen. Wir haben seit zehn Minuten Religion. Was soll der liebe Gott denken, wenn ihr
seinen Unterricht schwänzt?“
„Der liebe Gott?“ fragte Ernst Thälmann, und noch einmal: „Der liebe Gott? Was sagt denn der liebe Gott dazu, daß
so viele Kinder ohne Mantel in die Schule kommen müssen, weil sie keinen haben? Was sagt der liebe Gott dazu, daß
sie Hunger haben und frieren müssen?“ / Dem Vikar verschlug es die Antwort. Doch dann faßte er sich und stieß mit
verärgertem Unterton hervor: „Wen Gott liebt, den läßt er leiden.“ / Darauf Ernst Thälmann: „Die Armen leiden
nicht, weil es ein lieber Gott so will. Sie leiden, weil die Reichen alles haben und die Armen nichts, weil die Reichen
den Armen alles nehmen. So ist das! Weil es ungerecht zugeht!“ / Der Vikar hatte seine Blässe verloren, und seine
Wangen röteten sich. Sein linkes Auge zuckte nervös. / Ein Junge in geflickter Hose faltete sorgsam sein Brotpapier
zusammen. Dann sagte er „Ernst teilt mit uns sein Schulbrot. Er bringt sogar denen, die den größten Hunger haben,
noch Brote mit. Aber das hat ihm nicht der liebe Gott gesagt. Darauf ist er von selbst gekommen.“]
Natürlich hatte Ernst Thälmann bei seinen Freunden auch einen Spitznamen. Sie nannten ihn Teddy; und die-
sen Namen hat Ernst Thälmann für immer behalten. Teddy mußte nach seiner Schulzeit als ungelernter Arbei-
ter Geld verdienen. Das tat er vor allem als Arbeiter im Hamburger Hafen.
Dia 5: Ernst Thälmann mit Arbeitern.
Zu den schwersten Arbeiten gehörte das Schleppen schwerer Säcke auf dem Rücken.
Lesen: „Frühlingsgruß“, Seite 9: „Zieh die Jacke aus“... bis S. 12: „... und das wird nicht so bleiben“.
[„Zieh die Jacke aus“, brummte der Hallenmeister dem Neuen entgegen, „und dann reihe dich in die Trägerkolonne
ein.“
Der junge Thälmann hängte seine Jacke an den Stützbalken, wo schon andere Jacken und Trinkflaschen aus Blech
baumelten. / Die Träger gingen einer hinter dem anderen. Jeder hatte einen schweren Sack auf den Schulter. Die Last
beugte den Nacken nieder. Die Gesichter, ausgemergelt, staubig, verschwitzt, konnte man erst erkennen, wenn die


Träger zurückkamen. Der Meister gab dem Jungen einen Stoß gegen die Schulter. „Nun los, Mann!“ Da ging Thäl-
mann zum Hallentor am Hafen. ‘Das schaffe ich schon’, dachte er und lud sich einen Sack quer über die Schultern.
Die ersten Schritte liefen sich ganz gut. Breitbeinig trat er auf, wie er es von den anderen sah. Achtzig Schritte! Dann
der schmale Steg zum Dach hinauf! Der Sack wurde mit jeem Schritt schwerer. Am liebsten hätte Ernst Thälmann
den Sack vor dem Laufbrett abgeworfen. Nun balancierte er hinauf, schwankte, wurde langsamer. / „Weiter, weiter!“
drängte der Hintermann. Denn auch er wollte seine Last los sein. Und dahinter kam wieder einer und dahinter ein
weiterer, wie in einer Kette. Die Kette durfte nicht ins Stocken kommen. Der Jungarbeiter Thälmann biß sich die
Zähne zusammen. Er zwang sich, den Steg hinaufzugehen, er warf oben erleichtert die Last ab. / Nach dem zehnten
Gang schienen ihm seine Beine und Arme wie von Keulen zerschlagen. Und im Nacken spürte er ein Stechen. Acht-
zig Schritte bis zum Laufbrett! Er zählte sie automatisch. / Als er wieder das schräge Brett unter den Schuhen spürte,
tanzten rote Kreise vor seinen Augen. Er meinte, in einen tiefen Abgrund zu stürzen, aber er sank nur auf die Säcke. /
„Bleib einen Augenblick lang liegen und atme tief“, flüsterte ihm jemand zu. Es war dämmrig und stickig. Wie
schwankende Schatten zogen die Träger heran.
„Ich heiße Fietje“, sagte es aus dem Halbdunkel. Ernst Thälmann blickte in das verschwitzte Gesicht eines jungen
Arbeiters. Er mochte wie er achtzehn Jahre alt sein. „Reihe dich vor mir ein“, sagte Fietje. Ich passe dann auf dich
auf, wenn dir schwindlig wird. Du mußt seine Kräfte richtig einteilen. Nimm einen kleinen Anlauf, wenn das Brett
kommt, dann gehst du mit Schwung.“ / Der junge Thälmann nickte. „Weißt du“, meinte er, „ich habe als Schauer-
mann im Hafen gearbeitet. Und in der Werft habe ich mit einem schweren Hammer Rost von Stahlplatten geklopft.
Aber das hier ist wohl noch schlimmer.“ „Eine wahre ‘Knochenmühle’ ist das hier“, sagte Fietje. „Abends sind deine
Knochen wie durch den Wolf gedreht.“ / „Eigentlich ist es überall dasselbe“, antwortete Ernst Thälmann, „im Hafen,
in der Werft und hier. Gibt es bei euch viele Jungarbeiter?“ / „Die meisten sind Jungarbeiter“, sagte Fietje, „fünfund-
fünfzig mit dir sind in der Halle.“
„Die Besitzer beuten uns bis aufs Blut aus“, meinte Thälmann. „Sie verlangen das Äußerste und zahlen uns den
schlechtesten Lohn.“ / „He, ihr zwei, schlaft euch zu Hause aus!“ brüllte der Hallenmeister. / „Am schlimmsten ist“,
wandte sich Fietje um, „wir können dagegen nichts machen. Nicht einmal in der Gewerkschaft sind wir.“ / Ernst
Thälmann legte ihm die Hand auf die Schulter und sagte: „Warte ab, das wird nicht so bleiben.“]
Nur wenig Geld bekam Teddy für diese Arbeit. Er fand es ungerecht und wollte es ändern. Das, was er in den
Büchern las, die Marx und Engels geschrieben hatten, zeigte ihm den Weg. Er erzählte davon seinen Arbeits-
kameraden, die ihn deshalb auch bald zu ihrem Vorsitzenden des neuen Gewerkschaftsverbandes wählten. Zu
dieser Zeit begann ein großer Krieg, der erste Weltkrieg, der viele Länder erfaßte und den einfachen Menschen
Not und Tod brachte. Auch Ernst Thälmann mußte Soldat werden. An der Kampflinie, an der Ernst Thälmann
eingesetzt war, tauchten plötzlich Flugblätter auf. Das waren einfache Zettel, auf denen stand, daß der Krieg
eine ungerechte Sache sei, und der Krieg die Reichen noch reicher macht. Ein Leutnant vermutete, daß Ernst
Thälmann dahintersteckte. Er wollte, daß Ernst dafür bestraft werden sollte.
Dia 6: Zerstörungen im ersten Weltkrieg
Lesen: „Frühlingsgruß“, Seite 14: „Der Leutnant trat hinaus...“ bis Seite 17: „...heute nacht zur Nachbarbat-
terie“.
[Der Leutnant trat hinaus in den Bunkervorraum, wo der Schreiber Bartig sich eingerichtet hatte. /Draußen vor der
Batteriestellung war es fast ruhig. Nur ab und zu grollte von der französischen Seite ein Abschuß. Auch bei Bartig auf
dem Schreibertisch brannte ein kleiner Kerzenstumpf. / „Sagen Sie mal, Bartig, was ist der Thälmann eigentlich für
einer?“ begann der Leutnant. Bartig hob die Schulter. „Na, ein Soldat eben, angesehen bei den Kameraden. Sie haben
Vertrauen zu ihm...“ „Flugblätter hat er nie verteilt oder gegen den Krieg gehetzt?“ unterbrach ihn der Leutnant.
/„Flugblätter? Ich weiß von nichts“, sagte Bartig. Der Leutnant verzog verächtlich das Gesicht und dachte. „Sind alle
gleich, die Kerle!“ / „Na schön“, meinte er dann, „wenn sie mal was hören sollten...“ Er vollendete den Satz nicht.
Wie zufällig hatte er in der Post geblättert, die auf dem Tisch lag. Es waren Feldpostbriefe und Feldpostkarten, die die
Soldaten nach Hause schrieben. Und da war auch eine Feldpostkarte von Ernst Thälmann. Sie war an eine Hamburger
Adresse gerichtet. Der Leutnant trat näher an die Kerzenflamme. er las. Er las: „Ich danke Euch für das Päckchen mit
selbstgebackenem Kuchen. der Kuchen hat mir und meinen Kameraden geschmeckt. Wenn wieder gebacken wird,
vergeßt uns nicht.“ / Der Leutnant legte die Karte zur Seite. „Hat Thälmann ein Päckchen erhalten?“ / „Jawohl, Herr
Leutnant, gestern, aus Hamburg.“
„Was darinnen war, wissen Sie nicht?“ / „Nicht genau.“ / „War es ein Kuchen?“ / Bartig spürte Schweiß auf der Stirn.
Für ein Kuchenpäckchen war es eigentlich nicht groß genug gewesen. er mußte an das Flugblatt in Hammerschmidts
Rocktasche denken. / „Na, das stellen wir gleich fest.“ Der Leutnant ging auf seine Tür zu und schloß sie hinter sich.
Bartig saß einen Augenblick wie erstarrt. Dann aber sprang er auf und stolperte durch den Verbindungsgraben.
„Wo ist Thälmann?“ / „Vorn im linken Bunker“, gab ihm der Grabenposten Auskunft. Schwer atmend lehnte sich
Bartig gegen einen Stamm, der die Bunkerdecke stützte. „Thälmann?“ rief er leise, Jemand kam auf ihn zu. „Was
gibt’s?“ „Thälmann?“ Der Leutnant ahnt was. Erst das Flugblatt bei Hammerschmidt und dann die Karte von dir.


Mensch, in dem Päckchen war doch niemals Kuchen!“ „Was denn sonst?“ fragte Ernst Thälmann. „Weiß ich nicht,
will ich nicht wissen. Aber der Leutnant kommt und will den Kuchen sehen.“ „Ach so“, sagte Ernst Thälmann. „Ich
weiß von nichts und hab’ dich nicht gewarnt.“ Bartig tauchte in der Dunkelheit unter. / Nicht viel Zeit war vergangen,
da hörten sie im Bunker, wie der Posten halblaut eine Meldung vorbrachte. / „He kimmt“, sagte Ernst Thälmann in
seiner Hamburger Art. „Achtung!“ rief der dienstälteste Kanonier. Aber der Leutnant winkte ab. Er sah die Männer
an, wie sie dastanden. Manche hielten etwas hinter dem Rücken. Und Thälmann deckte etwas auf dem Tisch mit einer
Zeitung zu. / „Na, Thälmann, was habe Sie denn da zu verbergen?“ „Dat is nix.“ Ernst Thälmann tat verlegen. „Das
wollen wir doch mal sehen“, stieß nun der Leutnant scharf hervor und riß die Zeitung weg. / „Kuchen“, stellte er ton-
los fest. „Damit kein Sand rauffällt“, erklärte Ernst Thälmann. Nun nahmen auch die Soldaten die Hände vom Rük-
ken. Jeder hielt ein Stück Kuchen, das dunkel war wie das gröbste Soldatenbrot. / „Herr Leutnant, dürfen wir ihnen
auch ein Stück anbieten?“ fragte einer aus dem Hintergrund. „Danke“, brachte der Leutnant mühsam mit verhaltener
Wut hervor, drehte sich auf dem Stiefelabsatz um und war auch schon draußen. / Die Kanoniere legten die Kuchen-
stückchen auf den Tisch zurück. Sie waren mindestens fünf Wochen alt und hart wie Stein. / Ernst Thälmann faltete
eine Zeitung vollständig auseinander. Er nahm ein Flugblatt heraus. „Der Hauptfeind steht im eigenen Land...“ be-
gann er. Und als er es ganz vorgelesen hatte, sagte er: Das muß noch heute zur Nachbarbatterie.“]
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